Eine vom brasilianischen Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (Instituto de Pesquisa Econômica Aplicada, kurz: IPEA) veröffentliche Studie untersucht das Profil von Heimanwendern von E-Commerce in Brasilien, unterschieden nach Region, Wirtschaftsklasse, Geschlecht und Bildung. Der Einzelhandelsindex hatte ein Wachstum von 269 Prozent bei Online-Produktangeboten.

Über das Internet einzukaufen, wird immer stärker die Praxis des Großteil der brasilianischen Internetnutzer. Von 73 Millionen Menschen, die das Internet im Jahr 2009 genutzt hatten, haben 19 Prozent einen Online-Kauf getätigt; das entspricht 11,97 Millionen Menschen. Dieses sind einige der Zahlen, die in der Studie „Online-Verkäufe in Brasilien: eine Analyse der Benutzerprofile und des wirtschaftlichen Angebots“ enthalten sind, die am 2. Juni in Brasilia vom IPEA vorgestellt wurde.

Laut der Studie kaufen Männer mehr online ein und nutzen Web-Services stärker (22 Prozent) als Frauen (17 Prozent). Die überwiegende Altersgruppe der „E-Verbraucher“ ist 35 bis 44 Jahre alt (29 Prozent), dicht gefolgt von denen zwischen 45 bis 59 Jahre (26 Prozent) und der Gruppe zwischen 25 und 34 Jahren (ebenso 26 Prozent). Internet-Nutzer, die älter als 60 Jahre sind, machen auch einen erheblichen Teil des elektronischen Geschäftsverkehrs aus. Ihr Anteil beträgt 22 Prozent gegenüber 18 Prozent der 16 bis 24 Jahre alten Nutzer.

Je höher das Bildungsniveau und die wirtschaftliche Klasse, desto größer ist der Anteil der E-Commerce-Nutzer. Die Studie ergab, dass 59 Prozent der Verbraucher der Klasse A, 33 Prozent der Klasse B und 13 Prozent der Klasse C Produkte und Dienstleistungen über den elektronischen Geschäftsverkehr erworben haben. Die Klassen D und E liegen zusammen bei 5 Prozent. „Die Chance, dass eine Person in der Klasse D oder E eine Kreditkarte hat, ist geringer als bei einer Person, die zur Klasse B oder A gehört. Da die meisten Zahlungen beim Online-Shopping mit Kreditkarte erfolgen, kann das einen gewissen Einfluss auf dieses Ergebnis haben“, stellt die Untersuchung heraus.

Im Bezug auf die Regionen des Landes, liegt der Südosten beim E-Commerce vorn und der Nordosten ganz hinten. Die meisten Menschen, die über das Internet kaufen, befinden sich in städtischen Gebieten, mit 20 Prozent versus 9 Prozent der Online-Käufer in ländlichen Gebieten. Die Studie besagt, dass insbesondere diejenigen Verbraucher, die in kleineren Städten leben, viele Vorteile durch elektronischen Geschäftsverkehr gewinnen können.

„Sie können die Preise verschiedener Anbieter vergleichen, ohne Anrufe tätigen zu müssen oder sich physisch an einen anderen Ort begeben zu müssen. Außerdem gibt es die Möglichkeit des kostenlosen Versands“, erklärt die Studie. Beispiele sind die große Internet-Portale, die keine Versandgebühren für den Kauf von Computer verlangen.

Evolution des E-Commerce

Auf der Angebotsseite, erwähnt die Studie, dass das Wachstum des E-Commerce im Einzelhandel „in den letzten Jahren stark intensiviert wurde.“ Die Zahl der Einzelhändler, die das Internet als Absatzkanal verwendet, stieg von 1.305 im Jahr 2003 auf 4.818 im Jahr 2008, was einem Wachstum von 269 Prozent entspricht. Die Einnahmen stiegen von 2,4 Milliarden Reais im Jahr 2003 auf 5,9 Milliarden Reais im Jahr 2008, eine Steigerung von 145 Prozent.

Daten der brasilianischen Kammer für Elektronischen Handel (camara-e.net) bestätigen den Trend. Diese berichtete kürzlich, dass der Umsatz in der Branche im Jahr 2010 etwa bei 14,8 Milliarden US-Dollar liegt, allein für den Erwerb von Produkten.

Für Gaston Mattos, Berater des Online-Einzelhandels-Ausschusses der camara-e.net, die 23 Mitglieds-Unternehmen der Branche aus unterschiedlichen Segmenten hat, bestätigt die Studie vom IPEA die Dynamik von Online-Unternehmungen im Land. „Nur wenige Branchen unserer Wirtschaft konnten kontinuierlich zweistellige jährliche Wachstumsraten über die letzten 10 Jahre wie bei den Online-Einzelhandelsumsätze feststellen“, sagte er. „Die Branche wuchs auch während der jüngsten weltweiten Krise, die verschiedene Geschäftsbereiche getroffen hat. Die am Horizont sichtbaren positiven Aussichten für den Online-Vertriebskanal wirken sich motivierend auf die Unternehmer in dieser Branche aus“, fügte er hinzu.

Der Präsident der camara-e.net, Manuel Matos, glaubt, dass E-Commerce weiter wachsen wird, vor allem bei dem Angebot von Dienstleistungen wie dem Verkauf von Flugtickets. „Die wichtigsten Faktoren, die ein starkes E-Commerce-Wachstum fördern können, sind der Ausbau von Breitbandverbindungen und Online-Schulungen der Anwender, um Vertrauen im Umgang mit E-Commerce zu schaffen“, sagte er kürzlich in einem Interview mit der Wirtschaftszeitschrift Isto É Dinheiro.

Die vollständigen Umfrageergebnisse der IPEA finden Sie hier (auf Portugiesisch).

Quelle: camara-e.net

3. Juni 2011