Industrielle Alkoholproduktion in Pradópolis, die deutlichste Kombination aus industrieller und agrarwirtschaftlicher Produktion / Copyright: Agência Brasil

Industrielle Alkoholproduktion in Pradópolis, die deutlichste Kombination aus industrieller und agrarwirtschaftlicher Produktion / Copyright: Agência Brasil

Wie gebannt scheinen manche Analysten derzeit jede neue Auswertung zur wirtschaftlichen Entwicklung Brasiliens zu verfolgen, nur um Erahnen zu können, wohin die Reise geht. Das hat auch seinen guten Grund, schließlich fing das Jahr in den wichtigen makroökonomischen Kennzahlen viel schlechter an, als die meisten es erwartet hatten. Seit Mitte dieses Jahres gibt es verschiedenerlei positive Anzeichen und dennoch gibt es auch die Fortsetzung schlechter Nachrichten wie zu Beginn des Jahres.

So scheinen sich vor allem zwei Sektoren unterschiedlich zu entwickeln: die industrielle und die landwirtschaftliche Produktion. Während in der Industrie ein rückläufiger Trend vorherrscht, stehen die Zeichen in der Agrarwirtschaft auf einem satten Plus. Die globale Krise scheint eher die landwirtschaftliche Produktion zu beflügeln. So ist die Agrarwirtschaft um rund 4,9 Prozent in den letzten drei Monaten gewachsen. Ein gigantischer Sprung, denn diese war bereits auf einem hohem Niveau ins Jahr gestartet.

Auf das bisherige Jahr bezogen ist die brasilianische Wirtschaft um 1,2 Prozent gewachsen. Zum Wachstum beigetragen haben allerdings nur der Dienstleistungs- und der Agrarsektor. Der industrielle Sektor der brasilianischen Wirtschaft ist um 2,5 Prozent geschrumpft im Vergleich zum Vorjahr. Dies alles zeigt, dass auch die staatlichen Maßnahmen wie die Reduktion der Industrieprodukte-Steuer (Imposto sobre Produtos Industrializados, kurz: IPI) nicht die notwendigen Anreize setzen konnten, um eine Trendwende zu schaffen. Das wirtschaftliche Wachstum des Agrarbereichs wäre wohl aber nicht so deutlich ausgefallen, wenn nicht auch die Preise an den globalen Märkten ihren Einfluss auf diese Zahlen hätten. So bleibt abzuwarten, wie sich die brasilianische Wirtschaft weiter entwickelt in den kommenden Monaten und ob sich die gegenläufigen Entwicklungen in den beiden Sektoren so fortsetzt. Vielleicht ist das die beste Erklärung, warum derzeit auf jede Bewegung der wirtschaftlichen Leistung  Brasiliens so genau geachtet wird. (mas)