Fälle von Alkoholmissbrauch sind bei Sozialversicherten in Brasilien um 19 Prozent über die vergangenen vier Jahre gestiegen. / Copyright: Peter Niemayer, Wikimedia Commons
Fälle von Alkoholmissbrauch sind bei Sozialversicherten in Brasilien um 19 Prozent über die vergangenen vier Jahre gestiegen. / Copyright: Peter Niemayer, Wikimedia Commons

Die Fälle von Alkoholmissbrauch sind bei Sozialversicherten in Brasilien über die vergangenen vier Jahre um 19 Prozent gestiegen. / Copyright: Peter Niemayer, Wikimedia Commons

Ein übermäßiger Alkoholkonsum ist der Hauptgrund für die Krankmeldung, wenn die Betroffenen als Krankheitsgrund psychische und verhaltensmäßige Störungen angeben. Die Zahl der Brasilianer, die ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen konnten und um Hilfe wegen Alkoholmissbrauch gebeten haben, ist in den vergangenen vier Jahren um 19 Prozent gestiegen, von 12.055 Leuten in 2009 auf 14.420 in 2013. Das geht aus den Daten es Nationalen Instituts für Sozialeversicherung (INSS) hervor. Demnach stieg die Anzahl von Personen mit psychischen oder verhaltensmäßigen Störungen aufgrund von Drogenkonsum auf 143.300. Neben Alkohol spielt vor allem Kokain eine Rolle, wenn die Leute zu Hilfefällen werden (8541), gefolgt von Marihuana und Haschisch (312) und sogenannten Halluzinogenen (165).

Die höchste Zahl von Krankheitsfällen aufgrund von Alkoholmissbrauch verzeichnete 2013 São Paulo mit 4375 Vorfällen, gefolgt von Minas Gerais mit 2333. Sozialarbeiter Fábio Alexandre Gomes, Mitglied im Regionalrat für soziale Leistungen in Sao Paulo (Conselho Regional de Serviço Social de São Paulo, kurz: Cress-SP) weist daraufhin, dass der Anstieg sehr gering sei, da ein großer Teil der Bevölkerung nicht zur Sozialversicherung beitrage und damit auch keinen Anspruch auf entsprechende Leistungen habe. „Der Einfluss von Alkohol auf das Leben der Menschen heute ist sehr groß. In vielen Fällen geht der Alkoholmissbrauch mit dem Verlust des Arbeitsplatzes einher. Und die Jugend kommt damit immer früher in Kontakt“, erklärt er. „Ich habe regelmäßig Fälle, in denen Kinder ab Jahren schon übermäßig Alkohol konsumieren. Ich begleite zum Beispiel einen zehnjährigen Jungen, der Crack nimmt, angefangen hat alles mit Alkohol“, erzählt der Sozialarbeiter und verweist damit auf das Problem, dass der erlaubte Gebrauch einer Subtanz zuhause schnell dazu führt, dass weitere Drogen genommen werden.

Krankheitshilfe bekommt jeder Erwerbstätige, der Mitglied der Sozialversicherung ist und der nicht seinen Job verliert, weil er nicht mehr kommt. Um Hilfe im Fall von Drogenmissbrauch zu bekommen, muss der Versicherte mindestens zwölf Monate in die Versicherung eingezahlt haben und mittels ärztlichem Nachweis belegen, dass die Drogenabhängigkeit der Grund für den Arbeitsausfall ist. Der Betrag kann je nach Fall variieren. Laut Andresa Lopes dos Santos, ebenfalls Sozialarbeiterin bei Cress-SP, ist die Hilfszahlung eine große Errungenschaft für brasilianische Erwerbstätige, da somit die finanzielle Sicherung der ganzen Familie gewährleistet sei. „Es ist wichtig, die Hilfe sowohl der Familie als auch dem Alkoholabhängigen zu geben“, sagt sie. (ls)