Der Stausee Ilha Solteira von der Energievesorgung von Sao Paulo - CESP - im Bundesstaat Paraná. / Copyright WikiCommons: Autor Mof0
Der Stausee Ilha Solteira von der Energievesorgung von Sao Paulo - CESP - im Bundesstaat Paraná. / Copyright WikiCommons: Autor Mof0

Der Stausee Ilha Solteira von der Energieversorgung von São Paulo – CESP – im Bundesstaat Paraná. / Copyright: Wikimedia Commons, Mof0

Auf die brasilianische Industrie kommt dieses Jahr ein massiver Anstieg der Stromkosten zu. Um rund 24 Prozent sollen laut Erlass die Grundpreise für eine Megawattstunde erhöht werden. Die erhöhten Stromkosten sollen erst in den kommenden Jahren auf die Privathaushalte umgelegt werden, da auf diese in diesem Jahr bereits die Erhöhung für 2012 zukommt.

Noch im September 2012 hatte die Regierung die Maßnahme 579 zur Kostenreduzierung im Energiesektor erlassen. Laut der Online-Ausgabe der Zeitung Folha de S.Paulo vom heutigen Montag (28.4.) sollten die Strompreise für Unternehmen aus dem Industriesektor 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent sinken. Entgegen den angepeilten Einsparungen kam es dieses Jahr aber zu einer drastischen Erhöhung der Stromkosten von rund 24 Prozent im Vergleich zu 2012. Damals kostete die Megawattstunde 147 Reais (circa 47 Euro).

Der Preisfestlegung geht eine knapp zwei-jährige Debatte zwischen Regierung und Energie produzierenden Unternehmen voraus. Die Präsidentin Dilma Rousseff hatte sich für ihre Amtsperiode insbesondere vorgenommen, die Stromkosten zu senken.

Ursache für die starken Preissteigerungen sind laut Folha vor allem die niedrigen Niederschläge. Brasilien erwirtschaftet rund 70 Prozent seiner Energie aus Wasserkraft. Die starke Trockenheit des vergangenen Sommers 2013/14 führte vielerorts dazu, dass die Leistung der Wasserkraftwerke heruntergefahren wurde. Der Staat griff zum Ausgleich der fehlenden Energie auf herkömmliche Kraftstoffe wie Diesel zurück. Dies ließ die Preise in die Höhe schnellen.

Auf der anderen Seite liegt dem auch eine politische Fehde zugrunde. Folgt man dem Präsidenten des Brasilianischen Verbandes der stromerzeugenden Unternehmen (Associação Brasileira das Companhias de Energia Elétrica, kurz: ABCE), Carlos Ribeiro, hat ein politischer Streit zum Anstieg der Stromkosten geführt. Demnach hätten drei der großen Stromerzeuger – Copel, Cemig und Cesp – die Bedingungen der Bundesregierung nicht akzeptieren wollen. Die drei Energieproduzenten aus den Bundesstaaten Minas Gerais, Paraná und São Paulo gehören der jeweiligen Regierung des Bundesstaates. Alle drei Regierungen jedoch befinden sich in der Opposition zur Bundesregierung. Laut Riberio hätten die drei Regierungen beschlossen, in Zeiten der Wasser- und Energieknappheit keine überschüssige Energie abzugeben. Dies drückte anderenorts ebenso auf die Ausgaben. Ribeiro spielt damit auf die Präsidentschaftswahlen im November an. (ms)