Hamburg Süd-Container im Hafen von Santos / Copyright: Wikimedia, Claus Bunks

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Lässt man die Meldungen der letzen Wochen und Monate zur Außenhandels- und zur Wirtschaftspolitik Brasiliens Revue passieren, dann verwundert das Ergebnis einer aktuellen britischen Studie nicht, nach der Argentinien und Brasilien die Rangliste der protektionistischen Maßnahmen in Lateinamerika anführen. Aufbauend auf den wirtschaftspolitischen Ansätzen der 60er und 70er Jahre erlebt der Protektionismus, bekannt auch als importsubstituierende Industrialisierung (ISI), als wirtschaftspolitische Entwicklungsstrategie derzeit einen neuen Frühling und viele lateinamerikanische Staaten setzen auf gezielte Maßnahmen zur Regulierung und aktiven Steuerung ihres Außenhandels.

Brasilien und Argentinien sind nach der Studie der britischen Consulting-Gruppe Capital Economics für 75 Prozent aller Handelsbarrieren in Lateinamerika verantwortlich. Zwischen 2009 und 2011 hat sich nach den Ergebnissen der Studie die Zahl der protektionistischen Maßnahmen verdoppelt. Zu den protektionistischen Maßnahmen zählen die Autoren nicht allein Regulierungen durch Zölle, sondern auch nicht-tarifäre Handelsbarrieren sowie direkte Eingriffe des Staates in bestimmte Sektoren der Wirtschaft.

Einer der Treiber dieser wirtschaftspolitischen Maßnahmen ist die aktuelle globale Krise, in der vor allem die großen Ökonomien nach Wegen suchen, ihren Binnenmarkt von den externen Turbulenzen abzukoppeln und die interne Nachfrage zu stärken. Argentinien und Brasilien unterscheiden sich nach dieser Studie in einem wesentlichen Punkt hinsichtlich der Maßnahmen. Während Argentinien in allen Bereich gleich stark auf protektionistische Maßnahmen setzt, so weißt Brasilien eher einen selektiven Protektionismus für einzelne Bereich auf. (mas)