Der Ex-Guerrillero, Alex Xavier, wurde 1972 von Agenten des DOI-CODI umgebracht. / Copyright: Agência Brasil
Der Ex-Guerrillero, Alex Xavier, wurde 1972 von Agenten des DOI-CODI umgebracht. / Copyright: Agência Brasil

Der Ex-Guerrillero, Alex Xavier, wurde 1972 von Agenten des DOI-CODI in Rio de Janeiro umgebracht. / Copyright: Agência Brasil

Die Aufarbeitung der brasilianischen Militärdiktatur (1964 – 1985) verläuft nach wie vor spannungsgeladen. Am gestrigen Montag (23.09.) besuchten Mitglieder der Wahrheitskommission des Bundesstaates von Rio de Janeiro (Comissão Estadual da Verdade do Rio de Janeiro) das 1. Batallion der Militärpolizei von Rio de Janeiro in Tijuca, im Norden der Stadt. Das Gebäude beherbergte zu Zeiten der Diktatur den Sitz des Militärischen Nachrichtendienstes–Zentrum der Inlandsverteidigung (Destacamento de Operações de Informações-Centro de Defesa Interna, kurz: DOI-Codi). In ihm fanden Folterungen und Entführungen von Oppositionellen statt.

Bei dem Besuch der Wahrheitskommission soll es laut der brasilianischen Nachrichtenagentur Agência Brasil zu tumultartigen Szenen und festen Auseinandersetzungen gekommen sein. Grund für den Konflikt sei der Besuch des Parlamentsabgeordneten, Jair Bolsonaro, von der rechtsgerichteten Partido Progressista (PP) gewesen. Bolsonaro, selbst Soldat der Reserve, der aber nicht der Wahrheitskommission angehört, hatte sich ungerechtfertigt und ohne Einladung Zugang zu dem Treffen in der Kaserne verschaffen wollen. Bolsonaro versuchte sich mit Gewalt Einlass zu verschaffen, wobei er dem Senator Randolfe Rodrigues von der Sozialistischen Partei (PSOL) einen Faustschlag versetzt haben soll.

Bolsonaro, bekannt für seine Nähe zum Militär, wusste, dass er mit seiner Anwesenheit bei dem Treffen, das Gefolterte und Vertreter der Opferverbände an den Tatort führen sollte, provozieren würde. Das DOI-Codi war der Ort in Rio de Janeiro, an dem Folterungen vorgenommen und Gefangene willkürlich festgehalten wurden beziehungsweise von dort „verschwanden“. Auch Kommissionsmitglieder, unter Anderem der Senator João Capiberibe von der Brasilianischen sozialistischen Partei (PSB), wurden in den 60er und 70er Jahren hierher verschleppt und gefoltert. (ms)