Bauern organisieren sich in Brasília / Copyright: Agência Brasil

Bauern organisieren sich in Brasília / Copyright: Agência Brasil

Um ein Treffen mit der Präsidentin Dilma Roussef zu erreichen, kampieren brasilianische Bauern in der Hauptstadt Brasília. Sie wollen die Präsidentin von der Notwendigkeit einer Agrarreform überzeugen. Dies betrifft vor allem die finanzielle Unterstützung der Familien der Bauern.

Gestern erreichten ca. 4.000 Familien Brasília und schlugen ihr Lager für unbestimmte Zeit auf. Teil dieser Protestbewegung ist die „Organisation der Landarbeiter ohne Land“ (Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra, kurz: MST). Der Sprecher der MST, Valdir Misnerovicz, gab an, dass man auf die Bestätigung für eine Anhörung bei der Präsidentin warte. Man habe in der Vergangenheit bereits gute Gespräche mit der Regierung geführt, aber nun sei man es leid, dass den Versprechungen keine Taten folgen. Misnerovicz erklärte, dass in diesem Jahr 500 Mio. Real (knapp 217 Mio. Euro) für die Bauern bereit gestellt wurden. Dies entspreche aber nur 10% ihrer Forderungen. Um alle Familien angemessen unterstützen zu können, seien mindestens 1,5 Mrd. Real (rund 650 Mio. Euro) nötig.

Ein weiteres Problem, so Misnerovicz, sei die hohe Verschuldung der Bauern. Wenn nicht möglichst bald über die Schulden verhandelt würde, bliebe den Bauern der Zugang zu weiteren Krediten verwehrt. Dies nähme ihnen die Möglichkeit, neue Investitionen zu tätigen. Hinzu käme, dass den verschuldeten Bauern kein Zugriff auf das vom Staat bereit gestellte Geld gewährt würde, sodass die Ärmsten das Geld nicht erreicht.

Heute wollen die Bauern ab 19 Uhr eine Nachtwache vor dem Nationalkongress abhalten, um ihren Forderungen verstärkt Ausdruck zu verleihen. (sg)