Durch den niedrigeren Benzinpreis bekommt Petrobras Probleme beim Benzinimport. / Copyright: Wikimedia Commons, Paulo rsmenezes

Benzin ist in der vergangenen Woche in Brasilien wieder günstiger geworden als in anderen Ländern aufgrund des kürzlichen Preisanstiegs des Barrel auf dem internationalen Markt und der weiterhin schlechteren Stellung des Real zum Dollar – eine schwierige Situation für das Erdölunternehmen Petrobras für eventuelle neue Verhandlungen zu Importen von Treibstoff. Der Durchschnittswert von Benzin in Brasilien liegt bei mehr als fünf Prozent unterhalb der Preise in anderen Ländern, was seit Oktober vergangenen Jahres nicht mehr vorgekommen war. Die Entwicklung bedeutet Einbußen für Petrobras, so Experten, das Treibstoff im Ausland einkaufen muss, um die eigene Produktion aufzustocken.

Berechnungen des Beratungsunternehmens „Tendências Consultoria“ zeigen, dass seit der letzten Preisanpassung bei Treibstoffen im November bis zum Dienstag (5.03) der verkaufte Treibstoff in Brasilien im Schnitt 17 Prozent teurer war als im Ausland. Ein Vorteil für das halbstaatliche Erdölunternehmen in Bezug auf Importgeschäfte.

Allerdings hat sich diese Situation geändert. Nach einem Preisabfall von 100 US-Dollar pro Barrel Mitte 2014 auf rund 43 US-Dollar pro Barrel im März diesen Jahres schloss Öl in den USA am Donnerstag (7.03) bei etwa 60 US-Dollar, was auch für Konkurrenzunternehmen von Petrobras die Möglichkeit eröffnete, Treibstoff-Importe zu veranlassen. „Es gibt keinen Anreiz für Importe von Benzin seit Wochen“, sagte der Direktor für Versorgung der Bundesgewerkschaft für Unternehmen im Vertrieb von Treib- und Schmierstoffen (Sindicom), Luciano Liborio.

Das Beratungshaus Tendências berechnete, dass Benzin am Donnerstag (7.05) 5,8 Prozent günstiger war als im Ausland, während Diesel nach wie vor 3,9 Prozent teurer ausfiel. Im Fall von Diesel liegt der Verkaufspreis in Brasilien seit November im Schnitt fast 20 Prozent über den Preisen auf dem internationalen Markt. Die Situation ist laut Marktanalyst Walter de Vitto von Tendências allerdings noch unsicher. Laut Prognosen wird der Dieselpreis in Brasilien zukünftig eher gleichauf mit dem im Ausland liegen.

Nach Ansicht des Experten gibt es noch keine Notwendigkeit für eine Preisanpassung in Brasilien. Andere Analysten gehen jedoch davon aus, dass es bis dahin nicht mehr lange dauern wird. So zum Beispiel André Perfeito, Chef-Ökonom beim Maklerunternehmen Gradual Investimentos. Ihm zufolge wird der Wert des Real weiter abfallen und am Ende des Jahres bei 3,50 Reais pro Dollar liegen. Dementsprechend könne Petrobras eine Preisanpassung in Zukunft vornehmen, um nicht die gleichen Verluste wie in den Vorjahren zu machen. (ls)

Quelle: Globo