Die Bohrinsel Transocean Development Driler II / Copyright: Wikipedia Commons

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Nach dem in den letzten Tagen immer größere Mengen an Öl in das brasilianische Meer nordöstlich vor Rio de Janeiro geflossen sind, hat gestern (22.11.) die Nationale Agentur für Öl, Naturgas und Biokraftstoffe (Agência Nacional do Petróleo, Gás natural e Biocombustíveis, kurz: ANP) alle weiteren Bohrungen von Chevron im Förderfeld Campo da Frade einstellen lassen. Die Agentur ANP hat Chevron bis auf weiteres alle Bohrungen im gesamten brasilianischem Hoheitsgebiet untersagt, bis die Gründe für den Austritt von Öl am bisherigen Bohrloch bekannt und die Verantwortlichkeiten geklärt sind.

Die Entscheidung für das nationale Bohrverbot in Brasilien fiel aufgrund der Zweifel der Agentur ANP an der Verlässlichkeit Chevrons, bei den der Bohrung zugrunde gelegten Daten und Berechnungen die nötige Sorgfalt aufgewendet zu haben. Bedenken hatten Techniker der ANP nach einer Überprüfung auch an dem ausgearbeiteten Notfallplan und an der für die Bohrung eingesetzten Technik, die der Einschätzung nach nicht dem aktuellen Stand entspricht.

Die Stelle am Boden des Meeres, aus dem das Öl austritt, könnte durch einen Riss im Gesteinsdeckel über den Ölvorräten entstanden sein. Nach Angaben von Chevron tritt das Öl wahrscheinlich durch das Verpressen von Schlamm aus dem Bohrloch aus. Eine Methode die auch bei anderen Bohrlöchern angewandt wird. Bisher geht Chevron von einem Riss in der Wand des Bohrlochs als Ursache für das austretende Öl aus. Sollte sich bestätigen, dass der Gesteinsmantel über dem Bohrloch einen Riss bekommen hat, dann könnten die Ausmaße gigantisch sein, bestätigte gestern ein Krisentreffen der ANP. Das Öl könnte dann durch diesen Riss über sehr lange Zeit, wenn auch in kleineren Mengen austreten. (mas)