Der Chef der Zentralbank, Alexandre Tombini / Copyright: Agência Brasil

Der Chef der Zentralbank, Alexandre Tombini / Copyright: Agência Brasil

In einem Aufsichtsverfahren bei den Privatbanken hat die brasilianische Zentralbank (Banco Central) am Montag die Bank Cruzeiro do Sul für einen Zeitraum von 180 Tagen unter ihre temporäre administrative Kontrolle gebracht (Regime de Administração Especial Temporária, kurz: Raet). Dieser Schritt wurde von der Zentralbank unternommen, um die von ihr entdeckten Probleme in der Aktiva der Bilanz nicht zu einem Problem für die Gesamtwirtschaft werden zu lassen. Die Raet soll nun gewährleisten, dass die Bank mit Unterstützung der Zentralbank trotz der scheinbar vorhandenen Liquiditätsprobleme handlungsfähig bleibt. Der für Liquiditätsprobleme speziell eingerichtete Fond (Fundo Garantidor de Crédito, kurz: FGC) hatte bis zum Dienstag noch keine zusätzlichen Finanzmittel für die Bank bereitstellen müssen und es lag auch keine Anfrage seitens der Bank auf eine Hilfszahlung aus dem Fond vor.

Die brasilianische Bundespolizei hat am Dienstag gegen den Vorstand und den Aufsichtsrat die Ermittlungen aufgenommen. Dem Vorstand wird unter anderem Bilanzfälschung vorgeworfen. Cruzeiro do Sul hatte im vergangenen Dezember noch die Bank Prosper für 55 Millionen Reais (ca. 21,5 Millionen Euro) gekauft, die jetzt jedoch zahlungsunfähig ist und auf die Hilfe von Cruzeiro do Sul angewiesen ist. Derzeit weist Cruzeiro do Sul ein Defizit von 150 Millionen Reais (ca. 58,8 Millionen Euro) aus.

Die Probleme der Bank hatten gestern auch zu politischen Diskussionen im Nationalkongress geführt. Der Vorsitzende der brasilianischen Zentralbank, Alexandre Tombini, musste sich im gemischten Planungs- und Finanzausschuss (Comissão Mista de Planos, Orçamentos Públicos e Fiscalização do Congresso Nacional) zur Qualität der Bankenaufsicht der Zentralbank äußern. Alexandre Tombini stellte klar, dass die Bank Cruzeiro do Sul eine Ausnahme sei und die meisten kleineren Banken über genügend Eigenkapital verfügten. Nach den Regeln der Zentralbank müssen Banken über mindestens elf Prozent Eigenkapital verfügen. Der Branchendurchschnitt bei kleineren Banken beträgt derzeit 17 Prozent, was die von Alexandre Tombini angeführte solide Finanzgrundlage belegt. (mas)