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Im Bundesstaat Rio de Janeiro zertifizieren die Kleinbauern ihre Produkte in Kooperativen selbst / Copyright: Wikimedia:USAID-image

Im Bundesstaat Rio de Janeiro zertifizieren die Kleinbauern ihre Produkte in Kooperativen selbst / Copyright: Wikimedia:USAID-image

Brasilien ist seit jeher bekannt für eine enorm leistungsfähige Agrarwirtschaft in großem Stile. Ob Zucker, Kaffee oder Soja, das Land war und ist einer der globalen Giganten, wenn es um agrarwirtschaftliche Produktion geht. Der weltweite Boom und die Nachfrage an ökologisch vertrauensvollen Produkten geht daher auch an Brasilien nicht spurlos vorbei.

Für viele Landwirte, insbesondere tausende Kleinbauern, sind die herkömmlichen Zertifizierungen ihrer Produkte jedoch schwer zugänglich. Im Bundesstaat Rio de Janeiro zeigt sich nun jedoch, dass die kleinen Landwirtschaftsbetriebe, die auf eine nachhaltigere und ökologischere Bewirtschaftung setzen, durchaus in der Lage sind, eigene zuverlässige Garantien für die biologische Qualität ihrer Bioprodukte zu etablieren.

Unter der Koordination der Assoziation biologischer Landwirte des Staates Rio de Janeiro (Associação de Agricultores Biológicos do Estado do Rio de Janeiro, kurz: Abio) haben die Kleinbauern dort ein partizipatives Garantiesystem (PGS) etabliert. Die Landwirte haben sich zunächst einmal zu Kooperativen zusammengeschlossen, um gegenüber den Großproduzenten wettbewerbsfähig zu bleiben. Auf der Basis von aktiver Partizipation der Interessensvertreter, das auf einem Fundament von Vertrauen, sozialen Netzwerken und Wissensaustausch gebaut ist, zertifizieren die Kleinbauern nun jedoch auch selbst ihre Produkte.

Antonio Carlos Abboud, Direktor des Instituts für Agronomie der Universidade Federal Rural do Rio de Janeiro (UFRRJ), steht dieser Entwicklung positiv gegenüber. „Zunächst waren die Bauern dem neuen System gegenüber skeptisch eingestellt“, sagte Abboud am Rande einer Tagung in Rio. „Sie hielten das Ganze für eine Selbstbewertung.“

In Brasilien, wo die großen agrarwirtschaftlichen Produktionsketten zwar gesetzeskonform aber nicht immer auf ganzer Linie nach ökologischen Standarts etabliert sind, kann das Zertifizierungsverfahren jedoch eine attraktive Maßnahme für Konsumenten darstellen, zu vertrauenswürdigen Bioprodukten zu kommen.

„Genau diesen Vorteil haben auch die Bauern erkannt, denn gerade für junge Landwirte, die über wenig Kapital und eine kleine Produktionsskala verfügen, ist diese demokratische Form der Qualitätssicherungs von enormer Bedeutung“, sagte Abboud.

„Wir sind Pioniere in dieser sozial motivierten Qualitätssicherung, sie schafft Vertrauen zwischen Produzent und Konsument und wird bereits in anderen Ländern kopiert.“

Brasilien ist eines der Vorreiterländer in alternativen Zertifizierungssystemen weltweit. Die brasilianische Bioverordnung erkennt die PGS (Sistemas participativos de garantia) kraft Gesetzes sogar als vollkommen gleichwertig zur Drittparteienzertifizierung an.

Hinsichtlich der Preissteigerung von selbst zertifizierten Bioprodukten ist sicherlich die Entwicklung des Marktes abzuwarten. „Wenn die Nachfrage steigt, steigt auch die Produktion, und die Preise sinken“, analysiert Abboud. (er)