Der brasilianische Export boomt, wie hier im Hafen von Rio de Janeiro / Copyright: AgenciaBrasil Tânia Rêgo
Der brasilianische Export boomt, wie hier im Hafen von Rio de Janeiro / Copyright: AgenciaBrasil Tânia Rêgo

Der brasilianische Export boomt, wie hier im Hafen von Rio de Janeiro / Copyright: Agência Brasil

Auf dem 40. Nationalen Treffen der brasilianischen Außenhandelsvertreter in Rio de Janeiro (Encontro Nacional de Comércio Exterior, kurz: Enaex 2012) diskutieren seit gestern Unternehmer und Regierungsvetreter über Möglichkeiten, die brasilianische Wirtschaft in den nächsten Jahren noch stärker auf einen nachhaltigen Außenhandel vorzubereiten.

Im Interview mit der brasilianischen Nachrichtenagentur Agência Brasil machte der Präsident der brasilianischen Außenhandelsvereinigung (Associação de Comércio Exterior do Brasil, kurz: AEB), José Augusto Castro darauf aufmerksam, dass zwei wesentliche Elemente für eine positive Entwicklung der brasilianischen Exportwirtschaft gegeben sein müssten: Das sei zum einen die Erholung Europas von der internationalen Finanzkrise und das anhaltende Wirtschaftswachstum Chinas. In Brasilien selbst nennt er die Modernisierung der logistischen Infrastruktur sowie Abgaben- und Arbeitsreformen als die maßgeblichen Herausforderungen, um günstige Bedingungen für den Export zu schaffen.

Die Exporte Brasiliens hingen zu 70 Prozent von externen Faktoren wie dem Handel mit Agrar- und Bergbauprodukten im Ausland ab, sagte Castro im Interview. Besonders China, als größter weltweiter Einkäufer, beeinflusse das Klima auf den Märkten so stark, dass die Ereignisse auf dem chinesischen Markt von maßgeblicher Bedeutung auch für die brasilianische Exportwirtschaft seien. „Solange das Wachstum in China vorteilhaft bleibt und Europa sich erholt, sehe ich die brasilianische Exportwirtschaft in einer günstigen Lage“, betonte Castro.

Die Vereinigten Staaten hingegen werden eher als Konkurrent gesehen, auch wenn sie über einen enorm diversifizierten und großen Markt verfügen. Die Exportprodukte wie Mais, Soja, Fleisch und Zucker machen die große Volkswirtschaft im Norden zu einem direkten Rivalen Brasiliens auf dem internationalen Markt. Der Fokus liegt demnach verständlicherweise eher auf Europa und China.

Positiv berwertet Castro auch die Entscheidung der Regierung, insgesamt 133 Milliarden Reais in Logistikprojekte zu investieren. Nun sollten auch infrastukturelle Neuerungen in den Häfen – momentan noch ein Schwachpunkt Brasiliens – in Betracht gezogen werden, maßgeblich durch Konzessionen an den privaten Sektor. „So könnten die Kosten durch einen stärkeren internen Wettbewerb niedrig gehalten werden, was sich wiederum positiv auf den Außenhandel auswirken würde“, so der Präsident der AEB.

„Das Exportgeschäft ist heute nicht mehr nur eine Option. In einer globalisierten Welt stellt der Export eine strategische Entscheidung eines Unternehmens dar. Denn wenn man sich nicht vorbereitet, kommt der Konkurrent zu einem nach Hause“, so Castro.

Schätzungen gehen von einem brasilianischen Außenhandelsüberschuss von 12 bis 14 Milliarden US-Dollar dieses Jahr aus. Insgesamt wird für den Außenhandel damit ein Volumen von 237 Milliarden US-Dollar erwartet. (er)