Fanblock von Brasiliens umsatzstärkstem Fußball-Verein Corinthians / Copyright: Wikimedia Commons Alexandra A.

von Tim Fabian Besser

Fanblock von Brasiliens umsatzstärkstem Fußball-Verein Corinthians / Copyright: Wikimedia Commons Alexandra A.

Fanblock von Brasiliens umsatzstärkstem Fußball-Verein Corinthians / Copyright: Wikimedia Commons Alexandra A.

Die aktuellen Zahlen zur Wirtschaftsentwicklung in Brasilien sehen nicht besonders rosig aus. Ein Wachstum von 0,6 Prozent im dritten Quartal 2012 ist nicht das, was der brasilianische Finanzminister noch kürzlich verkündet hat und was erwartet wurde. Damit stagniert die brasilianische Wirtschaft. Einige Wirtschaftsbereiche – insbesondere industrielle Sektoren – schrumpfen sogar.

Ganz anders die Situation bei den brasilianischen Erstliga-Fußballvereinen: In 2011 konnten die Top fünf-Clubs einen Umsatz von 1,93 Milliarden Real (rund 0,7 Milliarden Euro) verzeichnen, das sind fast 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Hauptgrund dafür sind höhere Einnahmen aus der Vermarktung von Fernsehrechten. Das sind die Ergebnisse einer Untersuchung der Bank Itaú BBA, dem Investmentarm von Brasiliens zweitgrößtem und weltweit auf Platz zehn befindlichen Finanzhaus Itaú Unibanco.

Dieses Umsatzwachstum ermöglicht es den Vereinen, ihre nationalen Talente im Land zu halten und einige gute Spieler aus dem Ausland wieder zurückzuholen. „Die Clubs mit mehr Geld investieren intensiver in ihre Spieler und das ist für viele attraktiver. Sonst wären sie wahrscheinlich in Europa oder im Mittleren Osten gelandet“, sagt César Grafietti, einer der Autoren der Studie bei Itaú BBA. Viele brasilianische Spieler fühlen sich im Ausland nicht richtig wohl, vermissen ihre Heimat. So sind Fälle bekannt, bei denen sich brasilianische Spieler ihre Familie und Freunde nach Deutschland holen, um nicht zu grosse Sehnsucht nach zu Hause zu haben. Marcelinho Paraíba (2001-2006 Hertha BSC, jetzt bei Boa Esporte im Bundesstaat Minas Gerais) ist so ein bekanntes Beispiel.

Der bestverdienende brasilianische Fußballverein in der letzten Saison war Corinthians aus São Paulo, der 281 Millionen Real (ca. 104 Millionen Euro) in 2011 umgesetzt hat. Eine Steigerung von 36 Prozent im Vergleich zu 2010. Auf Rang zwei liegt der Club Santos, aus der gleichnamigen Hafenstadt wenige Kilometer von São Paulo entfernt, mit einem Umsatz von 189 Millionen Real (rund 70 Millionen Euro) in 2011, 62 Prozent mehr als im Vorjahr.

Santos konnte es so schaffen, eines der brasilianischen Top-Fußballtalente, Neymar, zu halten. Früher wäre so ein Spieler vermutlich zu einem reichen Club nach Europa gewechselt. Zwar verdienen die Vereine Brasiliens noch lange nicht auf europäischem Niveau, das könnte sich zur anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft in 2014 allerdings ändern. In einer Studie des Beratungsunternehmens Deloitte, der Deloitte Football Money League 2012, heisst es, dass die WM und die damit zusammenhängenden neuen Stadien sich zu einem Katalysator für Wachstum bei Besucherzahlen, Eintrittsgeldern und Sponsoringdeals entwickeln können, was den Erstliga-Clubs helfen wird, im Wettbewerb mit europäischen Clubs finanziell besser dazustehen und junge Talente halten sowie etablierte Stars zurückholen zu können.

Einige von diesen Stars sind seit 2010 bereits nach Brasilien zurückgekehrt: Luis Fabiano (São Paulo), Adriano (Corinthians) und Ronaldinho (Flamengo).

Laut Itaú BBA ist das Umsatzwachstum vor allem auf den steigenden Erfolg des Pay-TV in Brasilien zurückführen, welches steigende Abonnentenzahlen vorweisen kann und mittlerweile rund 50 Millionen Brasilianer erreicht. Etwa 36 Prozent ihres Umsatzes sollen die Fußball-Vereine bereits aus der Vermarktung ihrer TV-Rechte generieren. Darüber hinaus sind Sponsoringverträge von großer Bedeutung: Eine der brasilianischen Staatsbanken, die Caixa Econômica Federal, hat die Rekordsumme von 30 Millionen Real (ca. elf Millionen Euro) ausgegeben, um auf den Trikots von Corinthians zu erscheinen.

Inspiriert durch einen Artikel in der FT Weekend vom 1. Dezember 2012