Der Chefökonom des CNI, Marcelo de Ávila / Copyright: Agência Brasil

Der Chefökonom des CNI, Marcelo de Ávila / Copyright: Agência Brasil

Wie zu Beginn jeder Woche, so wurden auch am vergangenen Montag (16.01.) die aktuellen Zahlen für Januar der brasilianischen Handelsbilanz durch das Ministerium für Entwicklung, Industrie und Außenhandel (Ministério do Desenvolvimento, Indústria e Comércio Exterior) veröffentlicht. Sie lassen diese Woche aufhorchen, denn die Statistik ergibt in der Summe für die beiden ersten Wochen im Januar bereits einen negativen Saldo des Außenhandels um rund 694 Milliarden US-Dollar (rund 545 Milliarden Euro).

Der Chefökonom des brasilianischen Industrieverbandes (Confederação Nacional da Indústria, kurz: CNI), Marcelo de Ávila, warnte gestern (17.01.) vor den schlechten Rahmenbedingungen, mit denen sich die brasilianische Industrie derzeit konfrontiert sieht. Mit den veröffentlichten Zahlen zur Entwicklung der industriellen Produktion im November 2011, zeigt sich nach den Angaben des CNI, auch weiterhin keine Erholung der industriellen Produktion trotz eines Wachstums von 2,2 Prozent im Vergleich zum Oktober 2011. Es war nach den Angaben des CNI der erste Monat mit einem positivem Resultat, nach einer Reihe von Monaten mit negativen Ergebnissen.

Das übermäßige Angebot an industriellen Produkten auf dem globalen Markt und die geringe Nachfrage in Brasilien stellen für den Chefökonomen des CNI die weit aus schwierigsten Rahmenbedingungen dar. So schätzt der CNI auch einen weiteren Anstieg der Importe als realistisches Szenario ein, würden nicht schnelle Maßnahmen für eine bessere Kreditvergabe an die Produzenten ergriffen. Nach Angaben von Flávio Castelo Branco, dem Generalsekretär des CNI, trägt auch die andauernde Krise in Europa und in den USA dazu bei, dass sich die Situation in der brasilianischen Industrie erst im zweiten Halbjahr diesen Jahres langsam verbessern könne.

Den negativen Saldo im Außenhandel führt der CNI auch auf das Auffüllen der Lagerbestände zu Beginn eines Jahres zurück. Allerdings ist die Wachstumsprognose der Regierung von drei Prozent für 2012 keine Hoffnung für die Industrie, denn das Wachstum im industriellen Sektor bleibt üblicherweise hinter dem Gesamtwachstum zurück. Einzig die bereits beschlossene Erhöhung des Mindestlohns für Februar lässt den Industrieverband hoffen, da mit dieser Erhöhung die Binnennachfrage wieder gestärkt wird. (mas)