Heute (16.05) wird die Wahrheitskommission offiziell ihre Arbeit aufnehmen / Copyright: Agência Brasil
Heute (16.05) wird die Wahrheitskommission offiziell ihre Arbeit aufnehmen / Copyright: Agência Brasil

Heute (16.05) wird die Wahrheitskommission offiziell ihre Arbeit aufnehmen / Copyright: Agência Brasil

Die nationale Wahrheitskommission (Comissão Nacional da Verdade), die Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen in Brasilien aufklären soll, die während der brasilianischen Militärdiktatur (1964 – 1985) geschehen sind, will bei ihren Untersuchungen die Priorität auf die Vermissten legen. Zunächst sollen 150 Fälle von Oppositionellen aufgeklärt werden, die nach einer Gefängnishaft oder nach einer Entführung verschwunden sind. Über ihren Verbleib gibt es keinerlei Informationen. Familienangehörige fordern bis heute eine Aufklärung. Einer der bekanntesten Fälle ist der des Abgeordneten Rubens Paiva, der  in der Nacht zum 20. Januar 1971 von Sicherheitsbeamten des Militärs aus seinem Haus verschleppt und nie wieder gesehen wurde.

Dass die Wahrheitskommission ihre Arbeit mit der Untersuchung der Vermisstenfälle beginnt, hat mehrere Gründe. Einerseits will man dem Druck der internationalen Gerichte nachkommen. Das Interamerikanische Gericht für Menschenrechte (Corte Interamericana de Direitos Humanos) fordert beispielsweise die Aufklärung einiger Mord- und Vermisstenfälle, die sich zwischen 1972 und 1974 im Bundesstaat Pará ereigneten. Bis heute weigern sich Militärangehörige den Ort bekannt zu geben, an dem die Leichen verscharrt wurden. Daraus ergibt sich auch für die Angehörigen ein wichtiger Grund, die Aufklärung zu fordern: bis heute sind die Familien der Opfer zwar finanziell entschädigt worden, Informationen zu den Todesumständen und den Grabstätten haben sie jedoch nie erhalten, was das Abschließen mit der Vergangenheit für viele umso schwieriger macht.

Marco Antonio Barbosa, Präsident der Kommission für Verstorbene und Vermisste (Comissão de Mortos e Desaparecidos), die Teil der Wahrheitskommission ist, teilte nun mit, dass man bereits einen ersten Schritt gegangen sei. Es lägen bereits alte Berichte und Prozessakten vor, die als Grundlage zur Aufklärung der einzelnen Fälle dienen können. (sg)