Alexandre Tombini, der Leiter der Zentralbank, bei einer der früheren Sitzungen des Copom / Copyright: Agência Brasil

Alexandre Tombini, der Leiter der Zentralbank, bei einer der früheren Sitzungen des Copom / Copyright: Agência Brasil

Analysten hatten die Entwicklung des Leitzinses zu Beginn des Jahres bereits so eingeschätzt, dass falls das wirtschaftliche Wachstum in Brasilien weiterhin einem schwachen Trend folgen sollte, dann muss die Zentralbank, um die brasilianische Wirtschaft zu stützen, weitere Absenkungen des Leitzins vornehmen. Das wirtschaftliche Wachstum hat sich im Verlauf des ersten Quartals auch nicht entscheidend verbessert, es fiel sogar auf 0,15 Prozent und liegt damit weit ab von dem erklärten Ziel von 3,23 Prozent für 2012. Aus diesem Grund hat das Geldpolitische Komitee (Comitê de Política Monetária, kurz: Copom) der brasilianischen Zentralbank (Banco Central) am Mittwoch (30.05.) beschlossen, den Leitzins Selic auf 8,5 Prozent abzusenken.

Dies ist der geringste Wert seit 1999 und seit der Übernahme der derzeit verfolgten geldpolitischen Strategie. In einer Reihe von Absenkungen in diesem Jahr ist dies bereits die fünfte in diesem Jahr. Seit dem Höchststand vom Juli vergangenen Jahres mit 12,5 Prozent hat sich die Refinanzierung der Banken um vier Prozent vergünstigt. Eine rasante Entwicklung des Leitzinses, dessen Verlauf sich normalerweise in einem deutlichen Anstieg der brasilianischen Inflation bemerkbar machen müsste. Das erklärte Inflationsziel der brasilianischen Regierung liegt bei 4,5 Prozent für 2012 und zumindest theoretisch wird es schwer, dieses Ziel zu halten, bei einer derartigen Verbilligung der Kredite. Allerdings schätzte das Copom die derzeitige Gefahr einer sehr hohen Inflation als gering ein.

Das zentrale Problem der brasilianischen geldpolitischen Steuerung ist derzeit noch die Weitergabe der verbilligten Zinsen durch die Banken an ihre Kreditnehmer. In den vergangen Monaten gab es mehrere Anläufe der Regierung und der Zentralbank, die Banken dazu zu bewegen, die Zinsreduzierungen nicht für eine Ausweitung ihrer Gewinne durch einen höheren spread, (Unterschied zwischen dem bezahlten Zinsen bei der Refinanzierung durch die Banken und dem berechneten Zins bei Darlehen) zu nutzen, sondern diese Reduzierung für eine Verbilligung der Kredite tatsächlich weiter zu geben. Für die kommenden Monate wird von vielen Analysten sogar eine weitere Reduzierung des Zinssatzes des Selic bis auf 8,0 Prozent oder gar darunter gerechnet. Damit würden deutlich vergünstigte Investitionen in diesem Jahr ermöglicht und es ist zu erwarten, das dies eine positiven Auswirkung auf das wirtschaftliche Wachstum der kommenden Quartale haben wird. (mas)