Logo des Komitees für Währungspolitik der brasilianischen Zentralbank / Copyright: COPOM

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Das Geldpolitische Komitee (Comitê de Política Monetária, kurz: Copom) der brasilianischen Zentralbank (Banco Central, kurz: BC) hat sich mit seiner gestrigen (29.08.) Entscheidung auf eine neuerliche Absenkung des Leitzins Selic eingelassen. Das Copom beschloss den Leitzins von derzeit acht auf 7,5 Prozent abzusenken und damit die Refinanzierung der Banken weiter zu verbilligen.

Bereits im Vorfeld zu diesem routinemäßigen Treffen gab es die Woche über immer wieder deutliche Aussagen von brasilianischen Finanzmarktanalysten und von Industrievertretern, dass sie sich eine Reduktion des Selic bei der derzeitigen makroökonomischen Situation wünschen. In so weit ist unklar, wie frei das Copom bei seiner Entscheidung war, den Leitzins nun zum neunten Mal in Folge auf historische Tiefststände  abzusenken. Bereits bei der letzten Absenkung am 11.07. von 8,5 auf acht Prozent war von einem historischem Tiefstand die Rede und weitere Absenkungen wurden von Vertretern der BC nicht in nähere Aussicht gestellt.

Die gestrige Absenkung bedeutet nun eine weitere Verbilligung der Kredite für Konsumenten und Industrie. Vor allem die Industrie braucht derzeit diese Unterstützung, da die industrielle Produktion rückläufig ist und geldpolitische Anreize helfen können, die Situation auch auf längere Sicht zu verbessern. Deswegen war die Absenkung des Leitzins von Vertretern der Industrie auch regelrecht herbeigeredet worden. Für das Copom eine schwierige Situation, will es seine Souveränität in geldpolitischen Fragen behalten. Zum einen steuern Erwartungen von Unternehmern deren Investitions- und Marktverhalten und absehbare Senkungen des Leitzins können auch als Mittel der Wirtschaftsstimulation eingesetzt werden. Wenn jedoch die Erwartungen auf eine Absenkung des Leitzins am Finanzmarkt den Druck auf das Copom so aufzubauen, dann kann auch die Enttäuschung, über eine nicht erfolgte Absenkung, die entsprechenden negativen Folgen am Finanzmarkt haben. (mas)