Patio Brasil Shipping-Center in Brasília / Copyright: Wikimedia, Creative Commons, L. Dantes

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Der brasilianische Mittelstand ist derzeit Ziel einer Reihe von Studien, welche das Sekretariat für strategische Angelegenheiten (Secretaria de Assuntos Estratégicos, kurz: SAE) im Präsidialamt in Auftrag gegeben hat und koordiniert. Gestern (20.09.) wurden die ersten Schätzungen zum Konsumverhalten und zur Kaufkraft des Mittelstandes (Klasse C) veröffentlicht. Nach dieser Studie haben die 104 Millionen Brasilianer im Mittelstand eine Kaufkraft von einer Billion Reais (ca. 380 Milliarden Euro).

Für die Studien wurde der Mittelstand als die Personengruppe definiert, welche ein Einkommen von 291 bis 1.019 Reais (ca. 110 bis 387 Euro) pro Person im Haushalt zur Verfügung hat. Definiert wurden auch drei Schichten in der Mittelklasse. Die unterste verfügt über ein Einkommen von 291 bis 441 Reais (rund 110 bis 167 Euro), die mittlere zwischen 441 und 641 (rund 167 bis 243 Euro) und die obere Schicht der Mittelklasse zwischen 641 und 1.019 Reais (ca. 243 bis 387 Euro). Anteilig macht mit dieser Definition die Mittelschicht rund 53 Prozent der brasilianischen Bevölkerung aus. Bis vor etwa zehn Jahren betrug die Mittelschicht  mit dieser Definition nur rund 38 Prozent.

Mit diesen ersten Erkenntnissen zeigt sich zum einen, dass die Mittelschicht in Brasilien sehr kaufkräftig ist, denn wäre sie ein eigenes Land, dann wäre sie auf dem 18. Platz der konsumstärksten Länder. Die Auswertung zeigt auch, dass die Reichtumsverteilung in Brasilien sich positiv auf den Mittelstand ausgewirkt hat. Dieser ist in den letzten Jahren substantiell gewachsen; eine ganz andere Tendenz im Vergleich zu dem in dieser Woche veröffentlichten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, der für Deutschland einen schrumpfenden Mittelstand nachweist. (mas)