Die zuständige Leiterin der Abteilung für Finanzmarktbesteuerung Maria da Consolação Silva / Copyright: Agência Brasil

Die zuständige Leiterin der Abteilung für Finanzmarktbesteuerung im Finanzministerium, Maria da Consolação Silva / Copyright: Agência Brasil

Das brasilianische Finanzministerium hat in einer aktuellen Änderung der Besteuerungsgrundlagen von gestern (01.03.) bekannt gegeben, dass zukünftig die Aktiensteuer für ausländische Investoren entfällt, die in ausländische Unternehmen investieren, welche an den brasilianischen Börsen notiert sind. Bisher war es für ausländische Investoren ohne Steuern möglich, die Aktien brasilianischer Unternehmen zu kaufen. Lediglich die Kursschwankungen des Real nahmen hier auf das Kaufverhalten der Investoren Einfluss. Für den Erwerb von Anteilen ausländischer, aber in Brasilien notierter Unternehmen kam zu den Kursschwankungen noch eine Finanztransaktionssteuer (Imposto sobre Operações Financeiras, kurz: IOF) in der Höhe von sechs Prozent hinzu.

Mit der bisherigen Besteuerung wurde indirekt auch der Zufluss an Devisen reguliert, da durch die zusätzliche Steuer die Anreize zum Kauf von Anteilen ausländischer Unternehmen relativ gering waren. Durch den gestern beschlossenen Wegfall der Steuer erhofft sich das Finanzministerium wohl auch eine Zunahme der Devisen in Brasilien. Die Neuregelung der Steuer ist entsprechend auch eine Justierung der Geldpolitik durch eine Stützung des Kurses des Real.

Derzeit erlebt Brasilien eine massive Zunahme an Devisen, vor allem durch den Dollar. Dadurch kommt die Geldpolitik der brasilianischen Zentralbank unter Druck, auf diese Schwemme mit Maßnahmen zur Stützung des Kurses des Reals zu reagieren. Gleichzeitig ist auf den internationalen Märkten momentan sehr viel Liquidität zu finden, da die europäische und die US-amerikanische Zentralbank ihre Leitzinsen auf ein sehr niedriges Niveau gesenkt haben, um ihre Wirtschaft zu stützen. Zahlreiche brasilianische Ökonomen bezweifeln deshalb auch, dass die Aufhebung der Aktiensteuer einen nachweislichen Effekt auf den Devisenmarkt haben wird. Die Geldmenge, so die Meinung des Ökonomen Luiz Roberto Cunha von der Potifícia Universidade Católica do Rio de Janeiro, die durch die EU und USA in Umlauf gebracht wurden, sei viel zu groß, um sie durch so eine Maßnahme zu steuern. (mas)