Marcelo Neri, Vorsitzender des brasilianischen Instituts für angewandte Wirtschaftsforschung, über die Tendenzen im Arbeitsmarkt / Copyright: Agência Brasil
Marcelo Neri, Vorsitzender des brasilianischen Instituts für angewandte Wirtschaftsforschung, über die Tendenzen am Arbeitsmarkt / Copyright: Agência Brasil

Marcelo Neri, Vorsitzender des brasilianischen Instituts für angewandte Wirtschaftsforschung, über die Tendenzen am Arbeitsmarkt / Copyright: Agência Brasil

Laut der neuen Haushaltstudie PNAD (Pesquisa Nacional por Amostra de Domicílios) über das vergangenen Jahr hätten sich in Brasilien zwei gegensätzliche Entwicklungen gezeigt: zum einen ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukt um 0,9 Prozent und zum anderen ein Wachstum der Durchschnittseinkommen um 8,9 Prozent. Die Analyse wurde von Marcelo Neri, Sekretär für Strategische Angelegenheiten und Vorsitzender des Instituts für angewandte Wirtschaftsforschung IPEA (Instituto de Pesquisa Econômica Aplicada) durchgeführt.

„Die PNAD 2012 überrascht sehr […] Das BIP stieg um 0,9 Prozent an, aber das Gehalt der Brasilianer um 8,9 Prozent. Das ist ein Unterschied von acht Prozentpunkten. Dem Brasilien der Wirtschaft geht es schlechter als dem Brasilien der Brasilianer. Die Ungleichheit hat sich in 2012 stabilisiert, aber die Armut ist aufgrund des Anstiegs der Gehälter gesunken“, so kommentierte Neri.

Neri erklärt das Phänomen vor allem mit dem Anstieg der Gehälter und nicht so sehr mit dem Anstieg der Beschäftigungszahlen, da das Land sich derzeit in einem Moment der beinahen Vollbeschäftigung befände. Die Formalitäten hätten sich verbessert und auch der Zugang zu Arbeitsrechten. Damit präsentiert der Arbeitsmarkt ein völlig anderes Gesicht als das BIP.

Weitere Gründe für die gute Wirtschaftslage seien die bessere Einkommensverteilung sowie die Realgewinne bei den Mindestlöhnen, was laut Neri die Ungleichheit verringere. Von 2003 bis 2011 hätte es in der PNAD-Studie ein Wachstum der Einkommen von 40,5 Prozent gegeben. Das BIP pro Kopf stieg um 27,7 Prozent im selben Zeitraum. (ds)