Das Bankenviertel von São Paulo / Copyright: Wikipedia Commons, Felipe Mostard

Das Bankenviertel von São Paulo / Copyright: Wikipedia Commons, Felipe Mostard

Bereits nach eineinhalb Jahren hat das Volumen der Ende 2009 neu eingeführten obligatorischen Bankeinlagen in Brasilien ein Volumen von 134,2 Milliarden Reais (rund 55,2 Milliarden Euro) erreicht. Die Zentralbank hat mit der Einführung der sogenannten finanziellen Zeichen (letras financeiras, kurz:LFs) Einlagen für Banken geschaffen, deren Ziel vor allem die Gegenfinanzierung langfristiger Kredite ist. Allein 110 Milliarden Reais (rund 45,3 Milliarden Euro) sind so seit Ende 2009 durch die Einführung der Verbindlichkeit für Banken in dieses finanzpolitische Instrument geflossen.

Die nun veröffentlichten Zahlen der brasilianischen Vereinigung der Finanz- und Kapitalmarktteilnehmer (Associação Brasileira das Entidades dos Mercados Financeiro e de Capitais, kurz: ANBIMA) zeigen, wie gut das neue Instrument der Zentralbank seine Aufgabe als Stabilisator des Finanzmarkts erfüllt. Bis Ende 2009 waren die Banken für ihre Refinanzierung auf kurzfristige Titel angewiesen. Diese Kurzfristigkeit ihrer Refinanzierung bedeutete oft eine starke Limitierung in der Gewährung von Krediten durch die Banken, waren sie bis zur Einführung der LFs doch selbst sehr kurzfristig auf eine Rückzahlung festgelegt. Viele Firmen suchten deshalb bis Ende 2009 bei langfristigen Finanzierungen die Hilfe der staatlichen Nationalbank für ökonomische und soziale Entwicklung (Banco Nacional de Desenvolvimento Econômico e Social, kurz: BNDES) oder finanzierten sich durch Kredite aus dem Ausland.

Im Vergleich mit den anderen möglichen Instrumenten zur Refinanzierung, den Einlagezertifikaten der Banken (Certificados de depósitos bancários, kurz: CDBs) und den Wechseln der Zentralbank (Recebíveis de depósitos bancários, kurz: RDBs) mit je 6 Monaten Laufzeit, machen die LFs derzeit nur neun Prozent des Finanzaufkommens aus. Dennoch sieht Alfredo Moraes, Vorsitzender der ANBIMA, in der Einführung der LFs einen großen Erfolg. So ist für Alfredo Moraes die Verteilung der Risiken auf größere Finanzmarkt-Akteure, statt sie in einer Bank zu konzentrieren, einer der großen Vorteile der LFs als finanzpolitisches Instrument. (mas)