Jugendliche in Brasilien nutzen immer mehr eigene Konten und Kreditkarten / Copyright: Wikipedia, gemeinfrei
Mit der Erhöhung des Leitzinses soll vor allem die Inflation bekämpft werden / Copyright: Wikipedia, gemeinfrei

Mit der Erhöhung des Leitzinses soll vor allem die Inflation bekämpft werden / Copyright: Wikipedia, gemeinfrei

Ein weitere Erhöhung des Basiszinsatz Selic stehe im Gegensatz zu den Wachstumsinteressen der brasilianischen Wirtschaft, so argumentierte heute (29.08.) die Brasilianische Vereinigung der Großhändler (Associação Brasileira de Atacadistas e Distribuidores, kurz: Abad). Mitglieder der Vereinigung bezeichneten die Anhebung des Zinsatzes sogar als Mittel, dessen Effizienz mehr als zweifelhaft sei. Die Abad kritisierte mit dieser Aussage die Ansage der Zentralbank (Banco Central), den Leitzins wieder erhöhen zu wollen. Das Komitee für Geldpolitik (Comitê de Política Monetária, kurz: Copom) gab heute bekannt den Leitzins von 8,5 auf 9 Prozent zu erhöhen.

José do Egito Frota Lopes Filho, Präsident der Vereinigung, erklärte, dass es keinerlei Rechtfertigung für eine erneute Erhöhung gebe. Bei einer Anhebung des Leitzinses übergehe man die Tatsache, dass die Preisanstiege nur langsam auf höhere Zinsen reagieren.

Die Abad fordert vor allem, dass von der Regierung in Brasília nicht länger nur die Symptome der schwächelnden Wirtschaft kurzfristig bekämpft werden, sondern dass die strukturellen Probleme thematisiert und angegangen werden. Die Abad äußerte die Angst ansonsten wirtschaftliche Errungenschaften und Fortschritte der vergangenen Jahre zu verlieren.

Auch Gewerkschaften und der Industriebund des Bundesstaates São Paulo (Federação das Indústrias do Estado de São Paulo, kurz: Fiesp) kritisierten eine erneute Anhebung des Selic. Der Präsident des Bundes warnte davor, dass Brasilien seine Wettbewerbsfähigkeit verlieren könne. Der Gewerkschafter Paulo Pereira da Silva schätzt die Situation ähnlich riskant ein. Um langfristig das Wirtschaftswachstum des Landes zu generieren müssten vor allem die Haushaltskosten und die Schulden reduziert werden, erläuterten Experten die Situation. (sg)