In Brasília protestierten gestern Ärzte vorm Gesundheitsministerium / Copyright: Agência Brasil
In Brasília protestierten gestern Ärzte vorm Gesundheitsministerium / Copyright: Agência Brasil

In Brasília protestierten gestern Ärzte vorm Gesundheitsministerium / Copyright: Agência Brasil

Gestern (30.07.) fanden in mehreren brasilianischen Großstädten (im Bundesdistrikt, in den Bundesstaaten Minas Gerais und Rio Grande do Sul) wieder Proteste gegen das neue Regierungsprogramm Mais Médicos („Mehr Ärzte“) statt, durch das mehr Ärzte für drei Jahre in die Peripherien der Städte und die medizinisch schlecht versorgten Gegenden geschickt werden sollen. Die Ärzte kämpfen allerdings nicht nur gegen dieses Programm, sondern sie verlangen auch Investitionen in Höhe von zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in das öffentliche Gesundheitswesen.

Als Antwort auf die Demonstrationen verteidigte das Gesundheitsministerium noch einmal das Programm Mais Médicos. Denn Ziel des Programms sei, die Anzahl von Ärzten in den bedürftigen Regionen zu erhöhen und Investitionen in die Infrastruktur und den Ausbau des Gesundheitssystems zu fördern. Von den 3.511 Gemeinden, die sich am Programm beteiligen, würden 92 Prozent finanzielle Unterstützung für die Verbesserung und den Ausbau der ansässigen Gesundheitseinrichtungen erhalten. Die Regierung investiert bis 2014 15 Milliarden Reais (ca. 4,9 Milliarden Euro) in die Infrastruktur, davon sind bereits 7,4 Milliarden Reais vertraglich verplant.

Auch der Präsident des Gewerkschaftsverbandes für Ärzte im Bundesdistrikt, Gutemberg Fialho, verteidigt das Vorhaben, Medizinstudiengänge auf Bundesstaatenebene zu fördern. Dieses löse das Problem, dass sich Ärzte vor allem in den Großstädten verstärkt ansiedeln und in Gemeinden und Vororten nur schlechte ärztliche Versorgung existiert. Auch sei Fialho der Meinung, dass damit keine ausländischen Ärzte ins Land gebracht werden müssten, um das Fehlen an Fachkräften zu kompensieren.

Der Präsident des Gewerkschaftsverbandes für Ärzte in Rio Grande do Sul, Argollo Mendes, kommentierte allerdings: „Diese landesweiten Demonstrationen zeigen, dass die entsprechenden Ärzte keinesfalls mit den Entscheidungen der Regierung einverstanden sind. Auch die geringe Beteiligung am Programm Mais Médicos, das dem Angestellten keine Rechte wie ein drittes Jahresgehalt und Urlaub garantiert, spricht für sich. Der Arzt weiß, dass er nach drei Jahren arbeitslos sein wird.“ (ds)