Vorschriften für Ältere wurden von den Regierungen bislang nicht in die Praxis umgesetzt. / Copyright: Wikimedia Commons, Bestrossi

Brasilien hat sich bislang nicht auf die Versorgung einer immer älter werdenden Gesellschaft eingestellt und kann keine passenden Strukturen vorweisen, um älteren Menschen ihre Würde und Autonomie zu garantieren. Zu diesem Ergebnis kommt die Präsidentin des Instituts für Gerontologie der brasilianischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie, Maria Angélica Sanchez. Eine der Folgen des Mangels an angemessenem Wohnraum und zum Überleben seien Fälle von Aggression gegenüber Älteren.

Laut Angélica Sanchez fehlt es nicht an politischen Maßnahmen für das Wohl der Älteren. Allerdings seien Vorschriften wie die Bundesregelung für Ältere von 1994 und die Verordnung für Ältere von 2003 von den Regierungen von Bund, Ländern und Gemeinden noch nicht in die Praxis umgesetzt worden. „In Brasilien ist der rechtliche Rahmen fortgeschritten, doch das Land altert ohne darauf vorbereitet zu sein.”

Europäische Länder wie Frankreich hätten Maßnahmen entwickelt, um den Ausschluss Älterer aus der Gesellschaft zu verhindern und ein Minimum an Autonomie zu garantieren. Beispielsweise in Paris bezahle die Stadt Pflegepersonal, um ältere Menschen jeden Tag zu Hause zu besuchen und Hilfe bei grundlegenden Aufgaben zu leisten wie Baden, medizinische Versorgung und Einkaufen. Zudem würden Krankenschwestern die älteren Menschen regelmäßig besuchen und sich um die Gesundheitsversorgung kümmern, was eine Einweisung in ein Krankenhaus und einen langfristigen Aufenthalt vermeiden sollen.

Um die Situation in Brasilien zu verbessern, fordert Angélica Sanchez neben einer Unterstützung für Ältere, damit sie alleine wohnen können, den Bau von speziellen Wohneinrichtungen mit Fachpersonal, wohin die Familien ihre älteren Angehörigen tagsüber bringen können. „So können die Angehörigen weiterhin zur Arbeit gehen.“ (ls)

Quelle: Agência Brasil