Blick über einen kleinen Ausschnitt des Amazonas / Copyright: Creative Commons, Lubasi

Blick über einen kleinen Ausschnitt des Amazonas / Copyright: Creative Commons, Lubasi

Für insgesamt 120 Millionen US-Dollar verkauften Indigene der Mundurucu-Ethnie, die Rechte über ihr Territorium in der Gemeinde Jacareacanga, im brasilianischen Bundesstaat Pará. Der Kaufvertrag überträgt dem irländischen Emissionshandelsunternehmen, Celestial Green Ventures, die Landrechte des im Amazonas-Regenwald liegenden Gebiets, inklusive der Biodiversität, für die nächsten 30 Jahre. Darüber hinaus haben sich die Indigenen dazu verpflichtet, in diesem Zeitraum auf Neupflanzungen und Abholzungen zu verzichten. Jede Intervention in dem betreffenden Gebiet muss einer Absprache mit der irländischen Firma folgen. Der Vertrag regelt weiterhin das Alleinrecht des Unternehmens an den CO2-Zertifikaten und allen weiteren Gewinnen, die sich durch die Biodiversität des Gebiets ergeben. Celestial Green Ventures ist das weltweit führende Unternehmen auf dem CO2-Handelsmarkt.

Das Unternehmen hat in Brasilien durch 16 weitere Projekte Flächen von insgesamt 200.000 Quadratkilometern, was der doppelten Größe von Portugal enspricht, erstanden. Die neu erkaufte Fläche der Mundurucu macht davon nur etwa 10 Prozent aus.

Die Emissionen von meist europäischen umweltschädlichen Unternehmen sollen durch den Erwerb der CO2-Zertifikate, die wiederum von Unternehmen wie der Celestial Green Venture verkauft werden, ausgeglichen werden.

Im Amazonasgebiet werden zunehmend indigene Ethnien mit der Unterbreitung ähnlicher Angebote bedrängt. Die staatliche Indianerbehörde (Fundação Nacional do Índio, kurz: Funai) hat mittlerweile mehr als 30 vergleichbare Verträge in der Amazonas Region registriert.

Vielmals würden die Indigenen die Verträge unterzeichnen, ohne wirklich die Konsequenzen zu kennen, und am Ende dazu beitragen, den Weg für die Biopiraterie zu ebnen, so der Präsident der Funai, Márcio Meira.

Ein weiteres Problem stellt die Entscheidungsfindung dar: Der Vertrag zwischen Celestial Green Venture und der Mundurucu-Gemeinde wurde ohne eine Zustimmung der Mehrheit unterzeichnet. Der Vize-Bürgermeister von Jacareacanga, Angehöriger der Mundurucu und Gegner des Abkommens, Roberto Cruxi, bestätigte, dass nur wenige Führungspersonen über die Unterzeichnung entschieden hätten. Aus den Reihen der Celestial Green Venture hingegen heißt es, dass die Schließung aller Verträge des Unternehmens mit indigenen Gemeinden auf einem ausführlichen Informationsprozess und einer freien Einwilligung aufbauen würden. (jv)