Einer der bilateralen Handelsrouten: Die internationale Brücke Tancredo Neves zwischen Argentinien und Brasilien / Copyright: Wikimedia, Albasmalko

Einer der bilateralen Handelsrouten: Die internationale Brücke Tancredo Neves zwischen Argentinien und Brasilien / Copyright: Wikimedia, Albasmalko

Argentinien und Brasilien sind seit seiner Existenz Mitglieder des Mercosur, jener Vereinigung der Länder im Südzipfel Lateinamerikas, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, die Handelsbarrieren durch Zölle und andere Vorschriften zu reduzieren und so die regionale Integration wenigstens auf dem Gebiet des Handels voranzubringen. Derzeit verstärkt Brasilien seine politisch-diplomatischen Aktivitäten in Richtung Argentinien, um hier endlich zu Fortschritten zu kommen. Seit 1991 gibt es den Mercosur, doch die Fortschritte sind für viele der teilnehmenden Länder nicht befriedigend – können es auch nicht sein, denn statt eines Gemeinsinnes regiert innerhalb des Mercosur noch stark die von Eigeninteressen geleitete Auseinandersetzung.

Brasilien bewertet die laufenden Verhandlungen mit Argentinien als unbefriedigend. Überraschend ist der Zeitpunkt für die neue politische Initiative nicht und es stellt sich kaum die Frage, ob diese Debatte nicht sehr stark von brasilianischen Interessen geprägt ist. Argentinien sieht sich einer Reihe von billigen Produkten aus Brasilien gegenüber, die es derzeit noch mit Importzöllen belegt, um die eigene industrielle Produktion vor der brasilianischen Konkurrenz zu schützen. Brasilien sucht derzeit nach Möglichkeiten, seinen wirtschaftlichen Wachstumskurs abzusichern und da ist auch ein Markt wie der argentinische von großem Interesse.

„Wir sind unzufrieden“ lautet denn auch die Aussage, die derzeit vor allem vom zuständigen Außenhandelssekretariat (Secretária de Comércio Exterior) im Ministerium für Entwicklung, Industrie und Außenhandel (Ministério do Desenvolvimento, Indústria e Comércio Exterior, kurz: MDIC) deutlich öfter als sonst vorgebracht wird, um etwas bei den bilateralen Handelsbeziehungen Argentiniens und Brasiliens zu bewegen. Bisher jedoch zeigt sich Argentinien unbeweglich. Es kämpft selbst mit der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise und unter diesen Bedingungen die heimische Industrie durch billigere Konkurrenz aus Brasilien noch weiter zu gefährden, ist innenpolitisch ein waghalsiger Kurs. Allerdings könnte ein verstärkter Handel zwischen beiden Ländern auch stabilisierend für beide in der globalen Krise sein. Argentinien und Brasilien waren letzte Woche in einer veröffentlichten Studie als die beiden Länder in Lateinamerika bewertet worden, die den höchsten Anteil an protektionistischen Maßnahmen vorweisen. (mas)