Zentraler Markt in São Paulo - auch hier finden sich immer mehr biologisch produzierte Produkte / Copyright: Wikimedia, Creative Commons, Dornicke

Zentraler Markt in São Paulo – auch hier finden sich immer mehr biologisch produzierte Produkte / Copyright: Wikimedia, Creative Commons, Dornicke

Diese Rechnung geht auch in deutschen Großstädten auf. Dort wo die deutsche Mittelklasse stark vertreten ist, sprießen Öko- und Biowochenmärkte aus dem Boden und die Dichte an Bioläden ist substantiell höher als in Stadtteilen mit einer Bevölkerung aus anderen Schichten. Ein ähnliches Phänomen lässt sich derzeit auch in Brasilien beobachten. Der Konsum von biologischen Agrarprodukten hat in den letzten Jahren substantiell zugenommen. Dies ist aus zweierlei Sicht erfreulich. Zum einen kann ein gestiegenes Umwelt- und Gesundheitsbewußtsein langristig auch zu einem nachhaltigeren Wirtschaften führen. Zum anderen ist dieser biologische Trend eine Bestätigung für eine wachsende Mittelschicht, die bewusst ihr Einkommen einsetzt. Das ist neben allen umweltpolitischen Überlegungen die beste Botschaft. Das von der Regierung Dilma Rousseff ausgegebene Wachstums-Dogma, welches zum Teil für den Aufschwung in der Mittelklasse gesorgt hat, stellt sich damit selbst in Frage, denn die durch diese Politik gewachsene Mittelklasse setzt immer stärker auf nachhaltigen Konsum.

Dies zeigen die Wachstumsraten von 15-20 Prozent pro Jahr, mit denen der biologische Sektor der Landwirtschaft wächst. Vor allem kleinbäuerliche Betriebe profitieren von diesem Trend. Rund 85 Prozent des Marktes an biologisch produzierten Waren wird von diesen Betrieben versorgt, die hauptsächlich Familienbetriebe sind. Auch an den regulären Supermärkten geht der Trend zu biologischen Produkten nicht spurlos vorüber. Hier steigt ebenfalls die Nachfrage nach nachhaltig produzierten Produkten und die Ketten versuchen sich dementsprechend darauf einzustellen. Es könnte also sein, dass von der gewachsenen Mittelklasse nun auch ein anderer Bereich finanziell profitieren kann – die familiären Betriebe der biologisch produzierenden Kleinbauern. (mas)