Der brasilianische Verteidigungsminister Celso Amorim / Copyright: Agência Brasil
Celso Amorim gab gestern (4.6.) die Öffnung der Informationszentren und Archive des Militärs bekannt / Copyright: Agência Brasil

Celso Amorim gab gestern (04.06.) die Öffnung der Informationszentren und Archive des Militärs bekannt / Copyright: Agência Brasil

Der brasilianische Verteidigungsminister Celso Amorim teilte gestern (04.06.) mit, dass der Wahrheitskommission freier Zugang zu den Militärarchiven gewährt werde. Die Nationale Wahrheitskommission (Comissão Nacional da Verdade) war erst kürzlich gegründet worden und soll Verbrechen aufklären, die während der Militärdiktatur zwischen 1964 und 1988 verübt wurden. Amorim erklärte, dass das Militär der Aufklärung nicht mehr länger im Weg stehen werde.

Seit 1985 hatten die Streitkräfte immer wieder beteuert, es gäbe keine Archive, die Informationen über die damals begangenen Verbrechen enthielten. Doch Menschenrechtsorganisation waren sich der Existenz der Archive sicher und konnten letztendlich die Zustimmung zu einer Öffnung der militärischen Informationszentren durchsetzen.

Bislang wurde keiner zivilen Person der Zutritt zu ihren Informationszentren gewährt. Luftwaffe, Heer und Marine öffnen nun erstmalig ihre geheimen Archive, die laut Menschenrechtsaktivisten Akten über politische Repression und Gewaltverbrechen enthalten sollen. Die Wahrheitskommission und große Teile der brasilianischen Gesellschaft erwarten nun die Klärung der Todesumstände von damals verschwundenen Oppositionellen und Zivilpersonen.

Dass Celso Amorim nun die Öffnung zu den Zentren und den Archiven gewähren will, bedeutet für viele einen großen Schritt in die richtige Richtung. Anfangs hatte Amorim sich gescheut, über den Zugang zu diesen lang geheim gehaltenen Informationszentren zu sprechen. Wie viele Militärangehörige wollte auch er die Immunität des Militärs wahren. Doch dem Drängen der Organisationen und der aktuellen Regierung unter Dilma Rousseff konnte er sich schließlich nicht mehr widersetzen.

Für den Verteidigungsminister ist die Öffnung der Archive nun das letzte Kapitel der Aufarbeitung der Diktaturvergangenheit Brasiliens. Die Gesellschaft müsse endlich mit diesem dunklen Kapitel der Landesgeschichte abschließen, betonte er. Ein genaues Datum für die Öffnung der Archive steht bislang noch nicht fest. (sg)