Der Finanzminister, Guido Mantega, bei den Ausführungen zur Neuregelung der Sparanlagen / Copyright: Agência Brasil

Der Finanzminister, Guido Mantega, bei den Ausführungen zur Neuregelung der Sparanlagen / Copyright: Agência Brasil

In ihrem erklärtem Kampf gegen die hohen Kreditkosten in Brasilien setzt die Regierung Dilma Rousseff nun auf der anderen Seite der Finanzierung von Krediten an und reformiert mit dem heutigen Tag (04.05.) die Regeln für Sparanlagen der Banken. Ziel dieser Reformen ist vor allem der Zentralbank mehr Freiheit zu geben an der Schraube des Leitzins Selic weiter zu drehen, ohne ungewünschte Nebeneffekte auf den Finanzmärkten und im Staatshaushalt hervorzurufen. Würde der Zins des Selic ohne diese Reform weiter abgesenkt, so bestünde die Gefahr, dass Investoren weniger in Staatsanleihen, dafür mehr in Sparanlagen investieren würden.

Bisherig wurden Sparanlagen mit einem Basiszins von 6,17 Prozent belegt und ein Zinsaufschlag aus der Variation des Referenz-Zins (Taxa Referencial, kurz: TR) auf diesen Basiszins aufgeschlagen. Die neue Berechnung des Aufschlags auf den Basiszins setzt sich aus der Variation des TR und einem Aufschlag aus 70 Prozent des Zinswerts des Selic zusammen. Der Aufschlag des Selic wird allerdings nur dann aktiv, wenn dieser die 8,5 Prozent-Grenze unterschreitet. Derzeit liegt der Selic bei neun Prozent und dies bedeutet, dass keine Auswirkungen auf die Berechnung des aktuellen Zins gibt.

Da viele Analysten derzeit eine weitere Absenkung des Selic noch in diesem Jahr erwarten, war diese Anpassung notwendig geworden, um keine negativen Folgen für den Staatshaushalt zu bekommen. Eine Abwanderung von Investoren aus den Staatsanleihen in die Sparanlagen wäre für den brasilianischen Staat derzeit mehr als unpassend, da sie doch ein Großteil ihrer Aktivitäten zur Förderung des Wachstumsprogrammes (Programa de Aceleração do Crescimento, kurz: PAC) aus diesen Schulden finanziert. Da auch die Absenkung des Selic eine Förderung des Wachstums bewirken soll, wären die Maßnahmen ohne die jetzt erfolgte Anpassung bei den Sparanlagen im gesamtwirtschaftlichen Effekt weitestgehend neutral und würden letztlich nur zu einem doppelten Verlust beim brasilianischen Staat führen. (mas)