Mit einer Verspätung von drei Jahren soll in 2019 Angra 3 ans Netz gehen. / Copyright: Wikimedia Commons, Sturm Im Jahr 2016 soll die Kernkraftanlage Angra 3  ans Netz gehen und Angra 1 und 2 (im Bild) ergänzen. Doch schon jetzt ist klar, dass Brasilien die Anlage nicht aus eigener Anreicherung beliefern werden kann. / Copyright: WikiCommons: Sturm

Brasilien will seine Pläne für Stromgewinnung aus Atomenergie wieder aufnehmen. Es sei zu erwarten, dass mindestens vier Atomanlagen in das strategische Planungsvorhaben der Regierung, den Plano Decenal de Energia, zurückfinden, wie die Zeitung Estado de S. Paulo berichtet. Nach dem Unfall im japanischen Fukushima 2011 wurden die brasilianischen Atomenergiepläne zunächst auf Eis gelegt. Nun sei aus dem Ministerium für Bergbau und Energie zu hören, dass bereits 2016 mit der Planung eines weiteren Reaktors begonnen werden soll.

Um die Investitionen für den möglichen Bau neuer Atomanlagen senken zu können, prüft die Regierung derzeit unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit zwischen der Atomenergiebehörde Eletronuclear und Privatinvestoren, wie der Estadão erfuhr. Einem privaten Engagement widerspreche jedoch die Verfassung, die „Aktivitäten im Nuklearbereich“ ausschließlich für brasilianische Bundesbehörden vorsieht. Allein die Regierung darf nach derzeitiger Gesetzeslage Uran verarbeiten.

Die Regierung untersucht nun die Möglichkeit einer Verfassungsänderung (Projeto de emenda constitucional, kurz: PEC), um privatwirtschaftliche Partner an den kostspieligen Vorhaben des Baus und Betriebs von Atomanlagen zu beteiligen. Eine zweite Möglichkeit, die derzeit diskutiert wird, käme ohne Verfassungsänderung aus. Diese sieht eine private Beteiligung ausschließlich im Verwaltungsbereich vor, während die Eletronuclear weiterhin zu 100 Prozent für den Anlagenbetrieb und das nukleare Material zuständig sein würde.

Aktuell befinden sich in Brasilien die zwei Uranreaktoren Angra 1 und Angra 2 südwestlich von Rio de Janeiro mit einer Gesamtleistung von 1.990 Megawatt (MW) in Betrieb. Ein dritter Reaktor, Angra 3 mit 1.405 MW, soll in 2019 in Betrieb genommen werden. (ms)

Quelle: Estado de S. Paulo