Mobile Einheit der brasilianischen Finanzbehörde auf der Suche nach Sklavenarbeitern / Copyright: Repórter Brasil, L. Sakamoto

Mobile Einheit der brasilianischen Finanzbehörde auf der Suche nach Sklavenarbeitern / Copyright: Repórter Brasil, L. Sakamoto

Alle drei Themen sind in Brasilien seit längerem in der gesellschaftlichen Diskussion und haben durch zum Teil spektakuläre Fälle bei Polizeieinsätzen immer wieder im Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit gestanden. Jetzt gründet das brasilianische Abgeordnetenhaus drei parlamentarische Untersuchungsausschüsse (Comissões Parlamentares de Inquérito, kurz: CPI) die sich mit Kinder- und Menschenausbeutung, Sklavenarbeit und dem Menschenhandel eingehend beschäftigen. Dies sieht die Entscheidung des Parlamentspräsidenten Marco Maia von der Arbeiterpartei (Partido do Trabalhador, kurz: PT) vor.

Der CPI zum Menschenhandel stützt sich dabei auf das Palermo-Protokoll der Vereinten Nationen, welches die Bekämpfung von international organisiertem Menschenhandel in einen völkerrechtlich normativen Rahmen einbindet. Ziel des CPI soll die Untersuchung der Ursache bei einzelnen Fällen, die Konsequenzen für die Betroffenen und möglicher Verantwortlicher für den Menschenhandel sein. Dabei liegt der Fokus auf beiden Richtungen: Menschen, die aus Brasilien verschleppt werden ebenso, wie Menschen die nach Brasilien gehandelt werden, um unter miserablen Bedingungen arbeiten zu müssen.

Der Ausschuss, der sich mit dem Thema der Sklavenarbeit auseinandersetzen wird, kann sich in seiner Arbeit auf die so genannte „dreckige Liste“ (Lista Suja) des Arbeitsminsiteriums (Ministério do Trabalho) stützen. Darauf finden sich Unternehmer wieder, denen durch Abgleich von Steuerdaten, durch polizeiliche Ermittlungen oder durch Aktionen von Nicht-Regierungsorganisationen (NROs) nachgewiesen werden konnte, dass sie Menschen unter Sklaven- oder sklavenähnlichen Bedingungen beschäftigt haben. Auch haben einige NROs wie Repórter Brasil in den letzten Jahren verstärkt begonnen im Internet Fälle der Sklavenarbeit bekannt zu machen und zu dokumentieren.

Auf die Arbeit von NROs und auf Ermittlungen durch Anzeigen soll sich auch der CPI zur Kinder- und Menschenausbeutung stützen. Bei den in diesem Ausschuss zukünftig behandelten Fällen soll es hauptsächlich um sexuelle Ausbeutung gehen. (mas)