Der Chefvolkswirt der brasilianischen Zentralbank, Tulio Maciel / Copyright: Agência Brasil

Der Chefvolkswirt der brasilianischen Zentralbank, Tulio Maciel / Copyright: Agência Brasil

Die Zahlen zu den Ex- und Importen zu Beginn des Jahres haben viele Experten der brasilianischen Wirtschaft wahrscheinlich erschreckt. Denn auch wenn man zu Beginn des Jahres einen Abschwung in den Exportzahlen erwartet hatte, so war dieser Rückgang so beträchtlich, dass sogar die Außenhandelsbilanz einen negativen Saldo aufwies. Damit fiel ein wichtiger stabilisierender Faktor der Auslandskonten Brasiliens weg, der sonst für einen positiven Beitrag sorgt.

Die brasilianische Zentralbank hat dennoch ihre Vorausberechnung zur negativen Bilanz in den Auslandskonten weiter abgesenkt. Das Defizit Brasiliens in den Auslandskonten soll nach dieser Schätzung nur noch 56 Milliarden US-Dollar (ca. 44,5 Milliarden Euro) statt ursprünglich 68 Milliarden US-Dollar (ca. 54 Milliarden Euro) in diesem Jahr betragen. Der wesentliche Grund für die optimistischere Einschätzung der Zentralbank ist der Rückgang des Abflusses von Zinsen und Dividenden aus Brasilien, der sich um rund 10 Milliarden US-Dollar (ca. acht Milliarden Euro) reduzieren wird. Das allerdings ist nicht unbedingt ein positives Zeichen, denn dies bedeutet auch, dass die brasilianische Zentralbank die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit geringer einschätzt, so dass weniger Gewinn von vielen Unternehmen erwirtschaftet werden wird. Auch der derzeitige Wechselkurs zum US-Dollar ist hier ein Faktor, da er Gewinntransfers ins Ausland verteuert und so zum Teil unrentabel werden lässt.

Der Abfluss an Zinsen und Dividenden hat sich im Vergleich zur gleichen Periode im vergangenen Jahr um 42 Prozent reduziert.  Das allerdings wird nicht allein reichen, um das Defizit in den Auslandskonten Brasiliens wirklich auszugleichen. Denn mit der aktuellen globalen Situation werden auch ausländische Kredite an brasilianische Unternehmen zurückgehen. Damit reduziert sich neben der Außenhandelsbilanz ein weiterer positiver Faktor in den Auslandskonten und das Defizit lässt sich damit maximal geringfügig verringern. Die brasilianische Zentralbank spricht denn auch von einer konservativen Prognose, bei diesen globalen Rahmenbedingungen. (mas)