Blick auf die Favela Jaqueline, im Hintergrund São Paulo / Copyright: Creative Commons, Dornicke

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Auch wenn statistisch gesehen die Armut in Brasilien in den letzten Jahren gesunken ist, eine Lösung des Problems vor allem von extremer Armut ist noch lange nicht in Sicht. Daran kann derzeit eine gute wirtschaftliche Entwicklung mit hohen Wachstumsraten nichts daran ändern. Darauf machte gestern (01.05.) der Präsident des Instituts für angewandte Wirtschaftsforschung (Instituto de Pesquisa Econômica e Aplicada, kurz: Ipea), Marcio Pochmann, im Rahmen der Tagung zu nachhaltiger Entwicklung und sozialen Aufgaben der BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Süd-Afrika) aufmerksam.

Es leben all diejenigen Menschen unter extremer Armut, die weniger als 1,25 US-Dollar (in PPP – purchasing power parity) am Tag zu ihrer Verfügung haben. Für Brasilien liegt dieser Wert derzeit bei ungefähr zwei Reais pro Tag. In diese Gruppe fallen in Brasilien derzeit rund 16,2 Millionen Menschen. Dies entspricht einem Anteil von rund 8,3 Prozent der Bevölkerung.

Gesunken ist in den letzten Jahren in Brasilien die relative Armut, das heißt der Anteil der Bevölkerung deren Einkommen deutlich unter dem durchschnittlichem Einkommen lag. Marcio Pochmann verwies im Rahmen der Tagung darauf, dass die BRICS-Staaten derzeit die größten Anstrengungen unternehmen, die extreme Armut zu reduzieren. Die sogenannten entwickelten Länder würden hierzu nur einen sehr geringen Beitrag leisten. Für Brasilien zog Marcio Pochmann jedoch eine düstere Bilanz, denn viele Strukturfragen wie die Konzentration von Land bei einigen wenigen Eigentümern sind seit Jahrzehnten ungelöst. Derzeit besitzen etwa 40.000 Grundstückseigentümer etwa 50 Prozent des gesamten verfügbaren Ackerlands Brasiliens. Mit Zahlen wie diesen zog Marcio Pochmann auch sein Fazit zur Armutssituation: Diese und andere Fragen von Verteilung müssen in Brasilien gelöst werden, damit relative und extreme Armut endlich weiter reduziert werden können. (mas)