Die Delegationen der 191 Länder versammeln sich zur Durchsicht des Endberichts der Konferenz Rio+20 / Copyright: Agência Brasil

Die Delegationen der 191 Länder versammeln sich zur Durchsicht des Endberichts der Konferenz Rio+20 / Copyright: Agência Brasil

Gestern (19.06.) wurde der Entwurf des Endberichts der Rio+20-Konferenz eingereicht. Die Verhandlungen hatten bis in die frühen Morgenstunden angehalten und es wurden Änderungen bis zur letzten Minute hinzugefügt.

Das Dokument wurde danach einem Plenum vorgelegt, welches dieses noch am Nachmittag beschlossen hat und nun den Regierungschefs zur Genehmigung bis Freitag (22.06.) vorlegt.

Brasilien hatte, besorgt um die Abnahme des Textes, versucht, die Inhalte zu vereinfachen, um großen Unstimmigkeiten mit Delegationen und Umweltschützern aus dem Weg zu gehen.

So hat die Aufstellung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (objetivos de desenvolvimento sustentáveis, kurz: ODS) und die Maßnahmen zur Implementierung dieser in der letzten Woche vermehrt zu Unstimmigkeiten zwischen den versammelten Delegationen geführt: kontrovers wurden Themen diskutiert wie die Definition internationaler Gewässer, Finanzierungswege für nachhaltige Entwicklungsprojekte von Umweltprogrammen (für die einige der traditionell reichen Länder aufgrund der internationalen Krise nicht mehr aufkommen möchten) sowie die Einrichtung eines 30-Milliarden-Dollar-Fonds für die Finanzierung solcher Projekte für ärmere Länder. Auf Drängen der entwickelten Länder wurden diese Punkte aus dem Endbericht gestrichen.

Am Ende blieben die gestrigen Reaktionen auf den Textvorschlag von Brasilien verhalten. Die ganze Welt sei bereit Kompromisse einzugehen, außer diejenigen, die es nötig hätten, beschwerte sich die Generalsekretärin des brasilianischen World Wildlife Funds (WWF), Maria Cecília Wey de Brito.

Der Text sei im Vergleich zum ersten noch schwächer, denn Brasilien habe den Weg des geringsten gemeinsamen Nenners gewählt, so der WWF-Beobachter, Carlos Rittl. Sie hätten einfach alle Konfliktpunkte und damit auch die ambitionierten Kompromisse aus dem Text entfernt. Viele Nichtregierungsorganisationen zeigten sich sehr enttäuscht. Es sei ihnen allen vorgemacht worden, dass Rio+20 maßgeblich für eine Zukunft, die sich alle wünschen, beitragen würde. Doch am Ende hätte die Veranstaltung bei den Begriffen Gleichheit, Ökologie und Wirtschaft versagt, so der Direktor für Öffentliche Politik von Greenpeace, Daniel Mittler.

Auch Antonio Patriota, der brasilianische Außenminister, bestätigte, dass alle gleichermaßen unbefriedigt mit dem Resultat seien, dass dies jedoch der einzige Weg zu einem Abkommen gewesen sei. Die Präsidentin Dilma Rousseff wies auf die schwierige Aufgabe hin, ein Abkommen unter 191 Ländern zu schließen und findet, dass Brasilien sein Möglichstes erreicht habe und dass dies allein ein Grund zum feiern sei. (jv)