Ein fliegender Händler (Vendedor Ambulante) in Rio de Janeiro / Copyight: Wikimedia, D. Dacal

Ein fliegender Händler (Vendedor Ambulante) in Rio de Janeiro / Copyight: Wikimedia, D. Dacal

Die brasilianische Serviceagentur für Micro- und Kleinunternehmer (Serviço Brasileiro de Apoio às Micro e Pequenas Empresas, kurz: Sebrae) startete in 2009  ein spezielles Programm, um die informelle Arbeitssituation vieler Selbstständiger in formale Unternehmen umzuwandeln. Die Sebrae führt dazu Informationsmaßnahmen in verschiedenen Städten Brasiliens durch und hilft den informellen Unternehmern einen Weg in die Formalität zu finden.

Rund 8.000 Unternehmer sollen derzeit in Rio de Janeiro bei der aktuellen Maßnahme der Sebrae für den Staat sichtbar werden und in soziale Sicherungssysteme einbezogen werden. Viele dieser Ein-Frau/-Mann-Unternehmen sind aus der Not und aus dem Mangel an geeigneten formalen Beschäftigungsverhältnissen heraus geboren. Die informelle Situation dieser Unternehmer ist nicht selbst gewählt, da Informationen über die Steuer und die notwendigen Unterlagen für die Anmeldung eines Unternehmens fehlen. Diese Unternehmer haben auch keinen Zugang zu Krediten und anderen Banksystemen und basieren häufig auf familiären Netzwerken. Die Sebrae, eine staatliche Institution, informiert über Wege in die Formalität und bietet auch Kurse für diese Unternehmer an, um das notwendige betriebswirtschaftliche Verständnis zu erlangen.

Die brasilianische Regierung schätzt, dass derzeit rund elf Millionen informelle Unternehmer in Brasilien ihre Dienste anbieten. Diese Zahl zeigt auch die sozial- und fiskalpolitische Bedeutung der Gruppe, denn der brasilianische Staat erhält aus der unternehmerischen Tätigkeit dieser Selbstständigen keine Steuern und im Falle eines Scheiterns fallen diese Unternehmer auf die soziale Mindestsicherung Bolsa Familiar zurück. Der Übergang in die Formalität ist demnach von großem Interesse für den brasilianischen Staat und führte unter anderem zur Gründung der Sebrae. (mas)