Die Identifikation von Familien, die in extremer Armut leben, bleibt für die brasilianische Regierung eine Herausforderung / Copyright: Wikimedia Creative Commons, C. Kaizen

Die Identifikation von Familien, die in extremer Armut leben, bleibt für die brasilianische Regierung eine Herausforderung / Copyright: Wikimedia Creative Commons, C. Kaizen

Das Phänomen der sozialen Unsichtbarkeit findet sich in Brasilien in häufig an. Damit ist gemeint, dass sich der Rechtsstaat oftmals so fern von sehr armen Bevölkerungsgruppen befindet, dass diese von den staatlichen Politiken und Programmen, wie beispielsweise dem Armutsbekämpfungsprogramm Bolsa Família („Familienstipendium“), abgeschnitten sind.

Die brasilianische Bundesregierung hat den 18. Juni 2012 als Datum festgelegt, an dem zwei Millionen dieser „unsichtbaren Familien“ über die Armutslinie gehoben werden sollen. An diesem Tag beginnen Familien, die als extrem arm eingestuft werden, Beihilfe zur Überwindung der extremen Armut (Benefício de Superação da Extrema Pobreza) zu erhalten, die das Haushaltseinkommen auf 70 Reais (etwa 27,30 Euro) pro Kopf aufstockt.

Dennoch bleiben, laut der ersten Erhebung des Brasilianischen Instituts für Geografie und Statistik (Instituto Brasileiro de Geografia e Estatística, kurz: IBGE), weitere zwei Millionen dieser Familien unberührt von der Maßnahme. Diese Personen zu erreichen, ist die Herausforderung, der sich die brasilianische Regierung momentan gegenüber gestellt sieht. Es ist jedoch nicht klar, ob die Hochrechnungen des IBGE wirklich alle betroffenen Familien abdecken.

Nach Angaben des Ministeriums für Soziale Entwicklung und Hungersbekämpfung (Ministério do Desenvolvimento Social e Combate à Fome) befinden sich die meisten Familien, die von den sozialen Programmen noch nicht erfasst wurden, zu drei Vierteln in den städtischen Zentren; knapp 40 Prozent von ihnen in Städten mit über 100.000 Einwohnern, wo sie meist in den Peripherien oder in den alten Stadtzentren der Großstädte, ausgeschlossen vom System, leben. Tereza Campello, die Ministerin für Soziale Entwicklung, wies auf die Schwierigkeiten bei der Lokalisierung dieser Bevölkerungsgruppen hin: es seien die Ärmsten der Ärmsten, die bisher keine Bolsa Família erhalten haben und müssten dringend vom Staat aufgenommen werden, so Campello.

Schätzungen zufolge werde die Regierung bis zum Ende des Kalenderjahres 800.000 in extremer Armut lebende Familien identifizieren können. Für die Identifikation sind aktive Suchbewegungen in den Gemeinden zuständig. (jv)