Der Ökonom Fábio Giambiagi warnt vor kurzfristigen Maßnahmen der Regierung / Copyright: Agência Brasil
Der Ökonom Fábio Giambiagi warnt vor kurzfristigen Maßnahmen der Regierung / Copyright:  Agência Brasil

Der Ökonom Fábio Giambiagi warnt vor kurzfristigen Maßnahmen der Regierung / Copyright: Agência Brasil

Die brasilianische Regierung wollte jüngst der Verlangsamung des brasilianischen Wirtschaftswachstums mit der Anregung des inländischen Konsums entgegenwirken. Durch Steuersenkungen und vereinfachte Kreditvergaben wollte die Regierung der ärmeren Bevölkerung die Chance zu mehr Konsum geben. Spezialisten warnen nun jedoch vor besorgniserregenden Konsequenzen. Entgegen gängiger Meinungen von Ökonomen, man würde dadurch eine neue Mittelschicht schaffen, ist die Soziologin Cláudia Sciré sicher, dass damit lediglich neue Armut finanziert würde.

Die Soziologin bezweifelt die Nachhaltigkeit der Maßnahmen. Durch Steuersenkungen den Konsum anzukurbeln und günstige Kredite zu vergeben, helfe kurzfristig über Probleme hinweg – der Regierung sowie der ärmeren Bevölkerungsschicht. Aus der Armut geholfen würde den Menschen allerdings nicht. Die Menschen würden sich noch stärker verschulden, weil sie durch günstige Bedingungen zur Kreditaufnahme angeregt würden. Außerdem hält Cláudia Sciré Konsum als alleinigen Parameter für Wohlstand für zu kurz gefasst. Es müssten weitere Indikatoren berücksichtigt werden. Beispielsweise der Zugang zu Kultur und Bildung, erklärt Sciré.

Auch der Ökonom Fábio Giambiagi zeigt sich besorgt, ob die Anregungsmaßnahmen, die zu mehr Konsum führen sollen, nicht eher eine Neuverschuldung der meisten Menschen nach sich ziehe. Wie Sciré ist er auch er der Meinung, es handle sich bei den Maßnahmen um kurzfristige Aktionen, die die Bilanz dieses Jahres verbessern sollen. Giambiagi plädiert anstelle von Steuersenkungen und Kreditvergabe dafür, Anreize zu schaffen damit Privatleute und Unternehmen mehr Investitionen in Brasilien tätigen. (sg)