Die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs steht auf der Agenda der Regierung, gestaltet sich jedoch schwierig / Copyright: Agência Brasil
Die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs steht auf der Agenda der Regierung, gestaltet sich jedoch schwierig / Copyright: Agência Brasil

Die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs steht auf der Agenda der Regierung, gestaltet sich jedoch schwierig / Copyright: Agência Brasil

Die Preise für Tickets im brasilianischen Nahverkehr stiegen in den Jahren 2000 bis 2012 um bis zu 65 Prozent stärker an als die Inflation. Ein deutlich niedriger Anstieg war bei den Preisen von Autos und Kraftstoffen zu bemerken. Dies führte dazu, dass die Nachfrage nach öffentlichen Verkehrsmitteln um rund 25 Prozent im Vergleich zu den 90er Jahren zurückging, was wiederum zu einem Anstieg der Preise führt. Das Institut für angewandte Wirtschaftsforschung (Instituto de Pesquisa Econômica Aplicada, kurz: Ipea) veröffentlichte gestern (04.07.) die Daten zur Entwicklung der öffentlichen Verkehrsmittel.

Aus diesem Teufelskreis herauszukommen, ist kein leichtes Unterfangen für die brasilianische Regierung. Doch eine Lösung muss gefunden werden, schließlich waren die relativ hohen Ticketpreise im öffentlichen Nahverkehr der Auslöser für die andauernden Proteste in ganz Brasilien.

Der Leiter der Studie, Henrique Ribeiro, erklärte, dass eine weitere Schwierigkeit sei, dass sich die Qualität der Verkehrsmittel in den letzten Jahren zunehmend verschlechtert habe und dies in Anbetracht steigender Ticketpreise ebenfalls zu einer Missstimmung unter der brasilianischen Bevölkerung führe. Außerdem machte der Wissenschaftler darauf aufmerksam, dass das steigende Einkommen der wachsenden Mittelschicht des Landes dazu führe, dass Familien zunehmend eigene Autos kaufen und auf die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln verzichten.

Ribeiro kritisierte, dass sich die öffentlichen Verkehrsmittel bislang zu 100 Prozent aus den Einnahmen der verkauften Fahrkarten finanziere. Damit belaste man vor allem die wirtschaftlich schwachen Teile der Bevölkerung, die auf die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs angewiesen seien. Man müsse sich ein Beispiel an Verkehrssystemen anderer Länder nehmen, in denen der Staat deutlich mehr selbst finanziere und investiere. Das Ipea schlug vor, die öffentlichen Verkehrsmittel zunehmend auch durch Steuern zu finanzieren. (sg)