Brasilien: Verbot von einigen Pestiziden

27.07.2012 | Politik |
Der Gebrauch mancher Pestizide wird in Brasilien eingeschränkt / Copyright: Wikimedia Creative Commons

Der Gebrauch mancher Pestizide wird in Brasilien eingeschränkt / Copyright: Wikimedia Creative Commons

In großen Teilen Brasiliens ist die Bienenpopulation drastisch gesunken, teilweise sogar komplett verschwunden. Das brasilianische Institut für Umwelt und erneuerbare natürliche Ressourcen (Instituto Brasileiro do Meio Ambiente e dos Recursos Naturais Renováveis, kurz: Ibama) macht vier verschiedene Typen von Pestiziden dafür verantwortlich und will aus diesem Grund die Verwendung dieser Produkte einschränken. In der Land- und Viehwirtschaft sollen die Sektoren Baumwolle, Soja und Weizen auf bestimmte Pestizide verzichten.

Das Ibama hat in den letzten zwei Jahren Pestizide auf ihre Verträglichkeit bei Bienen getestet und kam zu dem Ergebnis, dass Imidacloprid, Thiamethoxam, Clothianidin und Fipronil schädlich für die Verbreitung von Bienen sind. Der Koordinator des Ibama für die Bewertung und Kontrolle chemischer Substanzen (Avaliação e Controle de Substâncias Químicas), Márcio Rodrigues de Freitas, erklärte, dass man den Gebrauch der genannten Pestizide in erster Linie nicht aufgrund des Schadens für die Bienenpopulation einschränken wolle, man wolle vor allem die Umwelt und die Landwirtschaft selbst schützen. Denn eine Studie der Vereinten Nationen zum Thema Landwirtschaft und Versorgung aus dem Jahre 2004 hatte gezeigt, dass Bienen für mehr als 73 Prozent der Bestäubung aller Pflanzen zuständig sind. Rodrigues de Freitas gibt zu Bedenken, dass manche Sektoren, wie die Kaffeeproduktion, einen Verlust von 60 Prozent erleiden könnten, wenn die Bienen als potentielle Bestäuber ausfallen würden.

Zukünftig wird nun das Versprühen der Pestizide per Flugzeug und auch der Gebrauch der Substanzen während der Blütezeit verboten sein. Die vier Pestizide machen ca. zehn Prozent des gesamten Marktes aus. Manche Sektoren, beispielsweise die Weizenproduktion, sind vollständig auf diese Substanzen angewiesen und können auf keine Substitute zurückgreifen. Widerstand von Seiten der Industrie aufgrund der neuen Reglungen bekam das Ibama bereits zu spüren. Doch diese Reaktionen seien völlig natürlich, so Rodrigues de Freitas. Gemeinsam mit dem Umweltministerium und der Nationalen Behörde für Gesundheitsüberwachung (Agência Nacional de Vigilância Sanitária, kurz: Anvisa) will das Ibama im Laufe der nächsten Wochen Lösungen finden, durch die die Umwelt und die Industrie gleichermaßen geschützt werden können. (sg)


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