Zum einzigen Kernkraftwerk Brasiliens sollen bis 2030 weitere dazustoßen. / Copyright: Wikimedia Commons, Sturm
Zum einzigen Kernkraftwerk Brasiliens sollen bis 2030 weitere dazustoßen. / Copyright: Wikimedia Commons, Sturm

Zum derzeit einzigen Kernkraftwerk Brasiliens sollen bis 2030 weitere dazustoßen. / Copyright: Wikimedia Commons, Sturm

Im kommenden Jahrzehnt wird es eine Wende in der Energieplanung Brasiliens geben, wobei langfristig thermische Kraftwerke an Bedeutung verlieren werden, insbesondere die Möglichkeiten zur Konstruktion großer Wasserkraftwerke sollen bis dahin bereits ausgeschöpft sein. Zu dieser Beurteilung kommt der Sekretär für Planung und Entwicklung des Ministeriums für Bergbau und Energie, Altino Ventura. Am vergangenen Mittwoch (14.5) eröffnete er das Internationale Seminar zur Atomenergie in Rio de Janeiro.

„Es ist möglich, dass die Quellen erneuerbarer Energie bis 2030 Anteile verlieren werden, da wir keine neuen großen Wasserkraftwerke zu bauen haben und deren Ausbau ersetzt werden wird durch Gas, Kohle und Kernkraft, die nicht erneuerbar sind. Brasilien wird näher an den Rest der Welt heranrücken, der bereits fossile Brennstoffe nutzt, um seinen Bedarf zu decken, einschließlich der elektrischen Energie“, sagte Ventura.

Er bestätigte, dass Brasilien momentan den saubersten Energiemix habe, weil das Land die Möglichkeiten dazu hatte und in erneuerbare Energien seit dem Jahrzehnt 1980 investierte, nachdem die Ölkrise das Land dazu genötigt hatte, den Import von Brennstoff durch die Produktion von elektrischer Energie zu ersetzen. Heute werden rund 70 Prozent der elektrischen Energie in Brasilien durch Wasserkraftwerke erzeugt. Das Potenzial des Landes würde es erlauben, eine Kapazität von bis zu 260 Gigawatt aufzubauen, allerdings werden bis 2025-2030 nur 150 GW erreicht werden. In dieser Zeit, sagt Ventura, würden die Möglichkeiten zum Bau von Wasserkraftwerken aus ökologischen Gründen und denen der wirtschaftlichen Machbarkeit ausgeschöpft sein.

„Brasilien muss andere Lösungen suchen wie Erdgas oder Kohle“, sagte er und stellte fest, dass Gas im Land nur aufgrund eines fehlenden Angebots nicht mehr genutzt werde. Dabei glaubt er, dass diese Situation durch die Förderung des sogenannten Pré-Sal-Gases und Versteigerungen von Flächen zur Förderung von Gas in der Erde verbessert werden kann.

Kernenergie soll daneben stärker an Bedeutung gewinnen, wobei derzeit nur 2,7 Prozent der nationalen Energiegewinnung auf Atomkraft entfallen. Zusätzlich zum Kraftwerk Angra 3, das voraussichtlich im Jahr 2018 in Betrieb gehen wird mit 1.245 Megawatt (MW) installierter Leistung, befinden sich vier weitere Anlagen für 2030 in Planung.

„Nach Fukushima hat die Welt die Atomfrage neu bewertet. Es gab einen Moment des Innehaltens, doch die Länder sind zu ihren Atomprogrammen zurückgekehrt. Die USA bauen fünf neue Kraftwerke, und Russland, China sowie Südkorea viele weitere. Die Menschheit kann diese Quelle zur Energiegewinnung auf mittel und langfristige Sicht nicht beiseite lassen. Allein in Westeuropa gab es eine Reduzierung der Atomenergie, wo das niedrige Wirtschaftswachstum zu einem geringeren Wachstum auf dem Energiemarkt geführt hat. Selbst Deutschland, das bis 2022 seine Atomkraftwerke schließen will, kauft weiterhin Kernenergie aus Frankreich ein.“ (ls)