Minister für Wissenschaft, Technik und Innovation, Aloizio Mercadante / Copyright: Agência Brasil

Minister für Wissenschaft, Technik und Innovation, Aloizio Mercadante / Copyright: Agência Brasil

Der brasilianische Minister für Wissenschaft, Technik und Innovation, Aloizio Mercadante, teilte gestern (26.10.) mit, dass die Regierung Brasiliens brasilianischen Firmen finanzielle Unterstützung anbieten werde, um staatliche, zu privatisierende europäische Firmen zu kaufen oder sich an diesen zu beteiligen. Laut Mercadante müssten einige europäische Firmen aufgrund der Krise Teile ihres Eigentums verkaufen und Brasilien könnte von dieser Gelegenheit profitieren, um seine internationale Präsenz zu stärken.

Mercadante wohnte gestern der sechsten Sitzung des Industrietreffens ENAI (6º Encontro Nacional da Indústria, kurz: ENAI) in São Paulo bei, bei der er darüber informierte, dass Brasilien bereits die Möglichkeit nutze, in Geschäfte mit europäischen Krisenländern zu investieren. Portugal, Spanien und Italien hätten schon angekündigt, dass sie einen Teil ihrer nationalen Gesellschaften verkaufen würden, darunter Energie- und Postunternehmen sowie Firmen im Luftfahrtssektor. In Italien werde der Wert der zu verkaufenden Gesellschaften einen Wert von 100 Milliarden Euro erreichen.

Der Minister hob hervor, dass diese Vorhaben für Brasilien sehr interessant seien. Deshalb müsse die brasilianische Regierung vorgeschlagene Kaufprojekte finanziell unterstützen. Seiner Meinung nach solle sich Brasilien auf jeden Fall an Käufen beteiligen. Man werde mit der Unterstützung der Bank für wirtschaftliche und soziale Entwicklung BNDES (Banco Nacional de Desenvolvimento Econômico e Social, kurz: BNDES) rechnen können.

Außerdem bestätigte Mercadante, dass die Regierung den sogenannten Nationalisierungsindex (Índice de Nacionalização) von verkauften Automobilen in Brasilien anheben werde. Dieser Index gibt an, wie viele Produktionselemente im Land selbst hergestellt und wie viele aus dem Ausland zugeliefert werden. Vor zwei Tagen hatte der brasilianische Finanzminister Guido Mantega mitgeteilt, dass der Index, der als Basis für steuerliche Anreize bei Aktivität im Land dient und im Moment bei 65 Prozent liegt, sich im Jahr 2013 ändern solle.

Mercadante betonte des Weiteren, dass auch Nationalisierungsindexe anderer produktiver Sektoren in Betracht gezogen werden können. Zum Beispiel hätte das im Bereich des Flugwesens positive Auswirkungen auf die Stärkung der Industrie Brasiliens und somit solle verhindert werden, Arbeitsplätze in andere Länder zu transferieren. (ds)