Im Jahr 2016 soll die Kernkraftanlage Angra 3  ans Netz gehen und Angra 1 und 2 (im Bild) ergänzen. Doch schon jetzt ist klar, dass Brasilien die Anlage nicht aus eigener Anreicherung beliefern werden kann. / Copyright: WikiCommons: Sturm
Im Jahr 2016 soll die Kernkraftanlage Angra 3  ans Netz gehen und Angra 1 und 2 (im Bild) ergänzen. Doch schon jetzt ist klar, dass Brasilien die Anlage nicht aus eigener Anreicherung beliefern werden kann. / Copyright: WikiCommons: Sturm

Im Jahr 2016 soll die Kernkraftanlage Angra 3 ans Netz gehen und Angra 1 und 2 (im Bild) ergänzen. Doch schon jetzt ist klar, dass Brasilien die Anlage nicht aus eigener Anreicherung beliefern werden kann. / Copyright: WikiCommons: Sturm

Wie bekannt wurde, wird Brasilien für den Betrieb seines neuen Reaktorblocks Angra 3 im gleichnamigen Atomkraftwerk angereichertes Uran aus dem Ausland einführen müssen. Obwohl Brasilien über die zehntgrößten Uranvorkommen verfügt (rund 300.000 Tonnen), ist es derzeit nicht in der Lage, die heimische Stromproduktion aus Kernenergie zu gewährleisten, wie das staatliche Unternehmen Indústrias Nucleares do Brasil (Nuklearindustrien Brasiliens, kurz: INB) jetzt mitteilte. Unterschiedliche Auffassungen über die Zukunft der Nuklearenergie in Brasilien zwischen dem Ministerium für Bergbau und Energie, dem Ministerium für Wissenschaft und Technologie sowie dem Kanzleramt haben zur Folge, dass für den demnächst fertiggestellten dritten Block des Kraftwerks Angra kein Uran aus heimischer Produktion zur Verfügung steht.

Die zwischen beliebten Badeorten an der Küste des Bundesstaates Rio de Janeiro gelegene Anlage Angra 3 war Symbol für die Wiederaufnahme des brasilianischen Atomenergieprogramms im Jahr 2010. Damals wurden die Bauarbeiten an diesem Block nach einem mehrjährigen Baustopp auf Grund von finanziellen Schwierigkeiten und Bedenken bezüglich der Umweltverträglichkeit wieder aufgenommen. Die deutsche Bundesregierung unterstützte das Vorhaben mit einer Hermesbürgschaft. Nach der Fertiggestellung der Anlage im Jahr 2016 wird der Bundesstaat Rio de Janeiro rund 60 Prozent seines Stromverbrauches aus Kernenergie beziehen.

Grundsätzlich verfolgt die Regierung die massive Ausweitung der Atomenergie, um einerseits die Klimaschutzvereinbarungen einzuhalten. Andererseits gerät auch der Zugriff auf Wasserkraft an seine Grenzen. Brasilien schöpft derzeit rund 85 Prozent seiner Energie aus Wasserkraft und nur 1,5 Prozent aus der Kernspaltung. Dies soll sich ändern. Trotz der Versorgungsschwierigkeiten, die das Atomprogramm teurer werden lassen, sind allein im Südosten des Landes acht weitere Anlagen in Planung. Die meisten davon sollen im Bundesstaat Minas Gerais am Fluß São Francisco entstehen. (ms)