Finanzminister Guido Mantega erklärt Steuerbefreiungen / Copyright: Agência Brasil
Finanzminister Guido Mantega erklärt Steuerbefreiungen / Copyright: Agência Brasil

Finanzminister Guido Mantega erklärt Steuerbefreiungen / Copyright: Agência Brasil

Das brasilianische Finanzministerium (Ministério da Fazenda) hat erklärt, dass der Regierung Brasiliens in diesem Jahr mindestens 26,9 Milliarden Reais (rund 10,38 Milliarden Euro) weniger Steuereinnahmen zur Verfügung stehen werden.

Für Wirtschaftsexperten ist dies ein beachtlicher Betrag und aus diesem Grund kritisieren sie Steuerbefreiungen für ausgewählte Wirtschaftssektoren, die von der Regierung eingeführt wurden, umso mehr. Diese würden lediglich bestimmte Unternehmen begünstigen, nicht aber auf die gesamte Wirtschaft übergreifen. Die Ökonomen fordern stattdessen großflächigere Maßnahmen, um die Wirtschaft anzukurbeln.

In der vergangenen Woche wurden zwei neue Steuerbefreiungen durch die Regierung angekündigt. Zum einen wird die Steuerbefreiung für Industrieprodukte des Automobilsektor bis Ende dieses Jahres verlängert. Außerdem werden vierzehn weitere Sektoren begünstigt.

Der Wirtschaftsprofessor Reinaldo Gonçalves von der Bundesuniversität in Rio de Janeiro (Universidade Federal do Rio de Janeiro, kurz: UFRJ) erklärte, dass Steuersenkungen und -befreiungen, die das Einkommen der brasilianischen Bevölkerung erhöhen würden, deutlich effizienter wären. Denkbar wären Senkungen bei der Einkommenssteuer. Durch höhere Einkommen würde der Konsum ansteigen, damit die Nachfrage wachsen und so zu einer erhöhten Produktion führen.

Das aktuelle System der Steuererleichterungen für bestimmte Sektoren ist laut Gonçalves ein Phänomen der kapitalistischen Vetternwirtschaft. Demnach nutzen starke Sektoren Momente der Krise, um Vorteile für sich herauszuschlagen, erklärt der Professor. Eine multiplikatorische Wirkung bleibt dabei aus.

Rogério Sobreira, Ökonom der Getúlio-Vargas-Stiftung (Fundação Getulio Vargas, kurz: FGV) verteidigte die Maßnahmen der brasilianischen Regierung jedoch. Er erklärte, dass Steuerbefreiungen für den Automobilsektor äußerst nützlich seien, um einen der wichtigsten Wirtschaftssektoren und seine umfangreiche Produktionskette, die auch andere Sektoren betrifft, in schwierigen Zeiten zu unterstützen. (sg)