Auch diese Filiale von Santander in Coronel Fabriciano in Minas Gerais ist von der Kreditsperre betroffen / Copyright: Wikimedia, CC, HélioVL

Auch diese Filiale von Santander in Coronel Fabriciano in Minas Gerais ist von der Kreditsperre betroffen / Copyright: Wikimedia, CC, HélioVL

Im Bundesstaat Minas Gerais hat das zuständige Ministerium für öffentliche Angelegenheiten (Ministério Público, kurz: MP) mit einer gestrigen Entscheidung zehn Banken die Kreditvergabe bis auf weiteres untersagt. Auslöser für die sowohl drastische, wie auch wohl einzigartige Maßnahme des Ministeriums war die Häufung von Kundenbeschwerden über mangelnde Aufklärung und über fehlendes Informationsmaterial zu den Kreditprodukten. Betroffen sind die Banken BMG, Bonsucesso, Cacique, Cruzeiro do Sul, GE Capital, Intermedium, Mercantil do Brasil, Rural, Santander und BV Financeira. Das MP sah die Rechte der Kunden durch die Handlungsweise der Banken schwer verletzt, da vor allem Informationen zum Vorteil der Kunden seitens der Banken absichtlich zurückgehalten worden waren.

So ist es nach brasilianischem Recht Vorschrift, dem Kunden die Möglichkeit einer vorzeitigen Tilgung des Kredits einzuräumen (Art. 52(2), Gesetz zum Schutz des Konsumenten; Artigo 52, Parágrafo 2º, do Código de Defesa do Consumidor). Das Ministerium stützt sein Verbot vor allem auf der fehlenden aktiven und passiven Aufklärung zu dieser Möglichkeit. Hierüber hatten sich in der letzten Zeit die Beschwerden der Kunden gehäuft.

Auch das Recht, einen Kredit in eine andere Finanzinstitution zu verlegen, ist seit 2006 durch einen Erlass der Zentralbank garantiert (Erlass Nr. 3.401/2006). Ein Konsument kann, wenn er bei einer anderen Bank günstigere Konditionen findet, die Kreditschulden bei der bisherigen Bank mit einem neuen Kredit einer anderen Bank auf einmal tilgen und so den Kredit zur neuen Institution umziehen. Die betroffenen Banken haben hierüber keine Informationen zur Verfügung gestellt und die Kunden auch nach Nachfrage über dieses Recht nicht aufgeklärt.

Das Ministerium gab gekannt, die Kreditsperre so lange aufrecht erhalten zu wollen, bis die benannten Missstände behoben seien. Bei Verstößen wurde eine Strafe von 1.000 Reais (ca. 400 Euro) täglich festgesetzt, wenn gegen die Auflage verstoßen wird. Einige der Banken zeigten sich von dem Vorgang überrascht und teilten mit, dass sie über das verhängte Kreditverbot noch nicht einmal informiert worden seien. (mas)