Rund zwei Millionen Personen sind in Brasiliens Baubranche beschäftigt. / Copyright Agência Brasil
Rund zwei Millionen Personen sind in Brasiliens Baubranche beschäftigt. / Copyright Agência Brasil

Rund zwei Millionen Personen sind in Brasiliens Baubranche beschäftigt. / Copyright Agência Brasil

Das brasilianische Baugewerbe wird das laufende Jahr mit einem starken wirtschaftlichen Rückgang abschließen. Erwartet werde das schlechteste Ergebnis seit 14 Jahren, wie die Zeitung Estado de São Paulo in der Wochenendausgabe (04.10.) berichtet. Entgegen den Entwicklungen der vergangenen Jahre drehe sich das Wachstum 2014 fast um. Der Verband der Bauunternehmer des Staates São Paulo (Associação Paulista de Empresários de Obras Públicas, kurz: Apeop) gehe aktuell von einem Minus von 6,2 Prozent aus.

Gründe für das schlechte Ergebnis sehe der Bauverband vor allem in der schwachen landesweiten Konjunktur, dem Ende der Baumaßnahmen für die Fußball-WM im Juni und Juli dieses Jahres sowie bei wachsenden Schwierigkeiten weiterer Investitionen in die Infrastruktur, wie es im Bericht der Apeop heißt. Zudem erreichte die Immobilienbranche im laufenden Jahr eine Sättigung, die den Bauboom drosselte. Allein im Mai dieses Jahr ging der Verkauf von neuen Wohnimmobilien in der Stadt São Paulo um 36,5 Prozent zurück (BrasilNews berichtete, 16.17.2014).

Während das BIP des Sektors im Jahr 2010 noch bei einem Plus von 11,6 Prozent lag und durch den Immobilienboom getragen wurde, lag das Wachstum 2013 nur bei 1,6 Prozent. Da gelang es noch 48.000 neue Stellen zu schaffen und eine Beschäftigungsquote von annähernd zwei Millionen Personen zu erreichen. Im zweiten Quartal 2014 jedoch brach die Branche ein und verzeichnete einen Abfall von 8,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Der für den Bericht Verantwortliche, Gesner Oliveira, von der Unternehmensberatung GO Associados zeichnet für diesen Einbruch eine Kombination aus Faktoren nach. Die Verspätung und Verschiebung von Infrastrukturmaßnahmen, die zunehmende Verschuldung von Privathaushalten und die damit einhergehende Abkühlung des Immobilienmarktes machten der Branche derzeit zu schaffen. Wie der Estadão berichtet, sei der Verkauf von privatem Wohnraum in der ersten Jahreshälfte 2014 um 49 Prozent gefallen. Dies sei jedoch auch diesem besonderen Jahr mit einem späten Karneval, der WM und einigen Wahlen verschuldet. (ms)