Die argentinische Präsidentin Christina Kirchner. Hier in der Vergangenheit zu Besuch bei Dilma Rousseff. / Copyright: Agência Brasil
Die argentinische Präsidentin Christina Kirchner. Hier in der Vergangenheit zu Besuch bei Dilma Rousseff. / Copyright: Agência Brasil

Die argentinische Präsidentin Christina Kirchner -hier in der Vergangenheit zu Besuch bei Dilma Rousseff. / Copyright: Agência Brasil

So wie in Argentinien die Finanzwelt selbst reagiert auch die in Brasilien derzeit ruhig auf den Staatsbankrott Argentiniens. Bisher seien nur punktuelle Verluste an der Börse in São Paulo zu verzeichnen, wie der Nachrichtendienst Agência Brasil mitteilt. Zur Ruhe trage insbesondere bei, dass Brasilien über die fünfgrößten Finanzreserven weltweit verfüge und die internationalen Schulden unter Kontrolle seien, so Wirtschaftsanalysten gegenüber Agência Brasil. Darüber hinaus seien die Ausfuhren in das Nachbarland ohnehin seit einem halben Jahr im steten Rückgang. Der Einbruch käme jetzt nicht überraschend.

Wie es hieß, sei der erklärte Staatsbankrott keine plötzliche Katastrophe für Brasiliens Außenhandel. Vielmehr seien die Ausfuhren in das Nachbarland seit geraumer Zeit allmählich zurückgegangen. Ausgelöst durch eine Abwertung des argentinischen Peso gingen die Exporte im ersten Halbjahr 2014 um 20,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück und entsprechen einem Verlust von 7,42 Milliarden US-Dollar. Für die Analysten verschlimmerte der technische Bankrott eine Situation, die ohnehin nicht gut gewesen war.

Argentinien ist mit rund acht Prozent nach China (15,6 Prozent) und den USA (15,2 Prozent) Brasiliens drittgrößter Außenhandelspartner. Folglich wirkt sich die durch die jüngste Krise verringerte Kaufkraft des Nachbarlandes direkt aus. Die ganzen Auswirkungen Krise der argentinischen Wirtschaft auf den Brasiliens Ökonomie werden erst mittelfristig spürbar sein, wie Agência Brasil nach einer Umfrage unter Wirtschaftvertretern berichtet.

„Sehr wahrscheinlich erwartet uns eine Verschlimmerung der Rezession in Argentinien, das in Zukunft weniger konsumieren und weniger im Ausland kaufen wird. Da acht Prozent der brasilianischen Exporte dahin gehen, wird sich die Krise auf lange Sicht auf die Außenhandelsbilanz auswirken“, prognostiziert Newton Rosa, Chef-Ökonom bei Finanzberaterfirma Sulamérica Investimentos.

Gleichzeitig betonte er, dass die Bedingungen beider Länder sehr unterschiedlich seien. Zwar habe Brasilien große weltweite Schulden, doch seien diese unter Kontrolle. Nicht zuletzt die großen Reserven sorgten für Vertrauen. Das wüssten die Anleger und Finanzberater zu unterscheiden, so Newton Rosa. (ms)