Die Zentralbank, Sitz des COPOM / Copyright: Creative Commons, A.Crush

Die brasilianische Zentralbank, Sitz des COPOM / Copyright: Creative Commons, A.Crush

Mit einiger Zeitverzögerung kommen die bereits seit Beginn diesen Jahres vorgenommenen Reduzierungen des Leitzinses nun auch bei den brasilianischen Privathaushalten an. Bereits im Laufe des Tages hatten gestern die ersten Banken eine Reduzierung ihrer Zinsen angekündigt und dies obwohl zu diesem Zeitpunkt die Entscheidung über eine erneute Senkung des Leitzinses Selic noch gar nicht getroffen war. Derzeit ist der Selic mit 9,75 Prozent Zinsen veranschlagt. Für den gestrigen Nachmittag war die Sitzung des geldpolitischen Ausschusses (Comitê de Política Monetária, kurz: Copom) der Zentralbank angesetzt, bei der es wieder einmal darum ging, wie in der aktuellen wirtschaftliche Situation Brasilien geldpolitisch gestärkt werden kann.

Das Copom hat derzeit mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen, da vor allem die aktuelle Inflation ein Hinderungsgrund für eine weitere Absenkung des Leitzins ist. Geldpolitisch wird eine Zielgröße von 4,5 Prozent Inflation in diesem Jahr angestrebt. Würde der Leitzins gesenkt, so würden die dann realisierten zusätzlichen Investitionen auf Kreditbasis durch die Ausweitung der Geldmenge zu einer weiter steigenden Inflation führen. Die politisch definierte Bandbreite von zwei Prozent Schwankung um die Zielgröße von 4,5 Prozent sind durch zusätzliche Investitionen sehr schnell überschritten, bewegt sich die derzeitige Inflation Brasiliens mit rund 5,3 Prozent bereits im oberen Bereich der geldpolitisch gewünschten Schwankungsbreite.

Von vielen brasilianischen Finanzanalysten wird dennoch erwartet, dass der Leitzins noch in diesem Jahr auf neun Prozent fällt. Sein Allzeit-Tief von 8,75 Prozent aus dem  Jahr 2009 wird der Leitzins damit wohl dieses Jahr nicht unterschreiten. Die notwendige Absenkung des Leitzins zeigt aber auch, wie stark die brasilianische Zentralbank versucht, mit ihren geldpolitischen Möglichkeiten den Kurs der Regierung in Bezug auf das wirtschaftliche Wachstum zu stützen. (mas)