Eines der wichtigen Exportgüter: Cafe do Brasil / Copyright: Wikimedia, Creative Commons, F. Mafra

Eines der wichtigen Exportgüter: Cafe do Brasil / Copyright: Wikimedia, Creative Commons, F. Mafra

Für ein Land wie Brasilien sind die Zahlen zum Außenhandel ein Ausdruck dessen, wie viel es später zu verteilen gibt, denn Brasilien baut noch immer sehr stark auf den Export seiner Primärgüter. Nicht nur für den Export seiner vor allem landwirtschaftlichen und mineralischen Erzeugnisse, auch bei den Einfuhren ist Brasilien auf das Ausland angewiesen – vor allem im technisch-maschinellen Bereich. Das Ziel der brasilianischen Wirtschaftspolitik baut deshalb auf einem großen Handelsüberschuss an Primärgütern auf, damit für die dringend benötigten Importe auch die notwendigen Devisen vorhanden sind.

Im Vergleich zu 2011 ist der Außenhandelsüberschuss, also die Differenz zwischen Ex- und Importe, um mehr als ein Viertel gesunken. Exportiert wurden bis Oktober Waren im Wert von 190,4 Milliarden US-Dollar (ca. 147,1 Milliarden Euro) und im Gegenzug importierte Brasilien Waren im Wert von 172,9 Milliarden US-Dollar (ca. 133,6 Milliarden Euro). Der Überschuss aus den Exporten für die Handels- und Devisenbilanz beträgt somit nur noch 23,9 Milliarden US-Dollar (ca. 18,5 Milliarden Euro). Im Vergleich zum Vorjahr sank der Überschuss um mehr als ein Viertel (27,1 Prozent).

Damit steht das wirtschaftspolitische Modell zwar nicht zur Debatte, aber es bedeutet für Brasilien einen herben Einschnitt bei den Deviseneinnahmen. Gesunken sind vor allem die Exporte der Primärprodukte wie Öl, Kaffee, Eisenerz und Baumwolle, also genau jene Produkte auf deren Export Brasiliens Handelsüberschuss im Wesentlichen bisher beruht. Gestiegen ist im Gegenzug der Export von Halbfertigprodukten und dies sogar um 18 Prozent. Ausgleichen kann diese Steigerung jedoch den Einbruch von sechs Prozent bei den Primärgütern nicht. Dafür sind die Anteile von Fertigprodukten am Export bisher zu gering. Diese Zahlen zeigen, wie stark Brasilien von den Industrieländern abhängt. Die Krise der USA und der europäischen Länder kann auch die kontinuierlich starke Nachfrage aus Asien und vor allem aus China nicht ausgleichen. Somit erleidet Brasilien einmal mehr die Krise der Anderen. (mas)