Der brasilianische Traum vom Eigenheim wie hier im Bundesstaat Rio de Janeiro: meistens mit günstigen Krediten finanziert / Copyright: Wikipedia, Creative Commons, E. Hansen

Der brasilianische Traum vom Eigenheim wie hier im Bundesstaat Rio de Janeiro: meistens mit günstigen Krediten finanziert / Copyright: Wikipedia, Creative Commons, E. Hansen

Der Traum vom Wohnen in den eigenen vier Wänden hat immer Saison und die Brasilianer machen immer öfter von den günstigen Bedingungen am Markt Gebrauch, um sich diesen Traum zu realisieren. Die Summe aller Hauskredite hat sich deshalb in den letzten fünf Jahren mehr als verdreifacht. Die Gründe für diesen Trend sind vielfältig, lassen sich aber im wesentlichen auf die Bedingungen am Kreditmarkt und vor allem auf die Kreditpolitik der brasilianischen Regierung zurückführen.

Auf insgesamt 205,8 Milliarden Reais (ca. 89,8 Milliarden Euro) belief sich die gesamte Kreditsumme im Januar 2012, die für den privaten Hauskauf eingesetzt ist. Dies entspricht damit fünf Prozent der gesamten brasilianischen Wirtschaftsleistung. Damit nähert sich die Summe der vergebenen privaten Hauskredite der Marke, an der die amerikanische Kreditblase geplatzt war. Diese betrug im Jahr 2005 rund sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) der USA. Die Kreditpolitik in Brasilien steht allerdings unter anderen Bedingungen, da der überwiegende Anteil der Kredite aus Finanzmitteln von Wohnungsbauprojekten der Regierung und aus Refinanzierungsangeboten der Zentralbank speziell für private Hauskredite besteht. Brasilianische Banken sind damit nicht die Risikoträger der vergebenen Kredite, sondern sie reichen lediglich die von der Regierung und Zentralbank für diesen Zweck zur Verfügung gestellten Finanzmittel an die Kreditnehmer weiter.

Rund 191,3 Milliarden (ca. 83,4 Milliarden Euro), also ca. 93 Prozent der Kredite, kommen aus den Programmen der Regierung auf den Kreditmarkt. Diese Kredite sind damit nicht nur ein Stimulationsprogramm für die brasilianische Wirtschaft, sondern die Kreditlinien zeichnen sich auch noch dadurch aus, dass von den Kreditnehmern wesentlich weniger Sicherheiten verlangt werden als normalerweise marktüblich wäre. Damit schafft die brasilianische Regierung einen Zugang zum Kreditmarkt für Teile der Bevölkerung, die durch die sonst üblichen Sicherheiten von diesem Markt ausgeschlossen wären.

Die Zinsen für die vergebenen Kredite stiegen in den letzten Wochen um durchschnittlich 0,3 Prozent. Allerdings stiegen die Zinsen für private Kreditnehmer um 1,2 Prozent, die Zinsen für Unternehmen reduzierten sich hingegen um 0,6 Prozent. Für die Banken ist diese Entwicklung positiv, hat sich doch dadurch die Differenz zwischen veranschlagtem Zins für die Kreditnehmer und ihrem Refinanzierungszins um 0,7 erhöht. Der Gewinn, den den die Banken aus dem Kreditgeschäft ziehen können, hat sich damit wieder erhöht. Ein gutes Zeichen für den brasilianischen Kreditmarkt. (mas)