Die Preise des Warenkorbs des Volkes sind im Juni geringfügiger gestiegen / Copyright: Wikimedia, A. Nunes

Die Preise des Warenkorbs des Volkes sind im Juni geringfügiger gestiegen / Copyright: Wikimedia, A. Nunes

Die aktuelle Situation der brasilianischen Preissteigerung verwundert, denn bei den Maßnahmen, welche die brasilianische Regierung und die Zentralbank in den letzten Monaten durchgeführt haben, wäre eine deutlich steigende Inflation zu erwarten gewesen. Das Gegenteil ist der Fall und die Inflation beträgt für Juni nur 0,08 Prozent und ist damit auf dem niedrigsten Stand seit zwei Jahren. Gemessen auf das erste Halbjahr beträgt die Inflation damit 2,32 Prozent und erfüllt vollkommen die Erwartungen der brasilianischen Regierung an diesen Parameter der Wirtschaft.

Die kontinuierlichen Zinssenkungen der Zentralbank beim Leitzins Selic seit Beginn diesen Jahres haben zu einer deutlichen Vergünstigung der Kredite und damit zu mehr Investitionen in der brasilianischen Wirtschaft geführt. Dies allein erhöht theoretisch schon die Geldmenge derart, dass dies eine kräftige Preissteigerung zur Folge hätte. Hinzu kam noch die Initiative zur Reduktion der Kosten für Privatkredite und eine Reihe von speziellen Kreditlinien, die alle zusätzliches Geld in die brasilianische Wirtschaft gebracht haben. Dennoch scheint der brasilianische Markt dieses zusätzliche Geld gut angenommen zu haben und wenn nicht große Teile des zusätzlichen Geldes ins Ausland abgeflossen sind, dann sind die neuen Zahlen zur Inflation ein gutes Zeichen für die brasilianische Wirtschaft.

Einen Sondereffekt beinhaltet der Warenkorb zur Messung der Inflation jedoch. Die Verkaufspreise für Neuwagen sind aufgrund der Reduktion der Steuer auf Industrieprodukte (Imposto sobre Produtos Industrializados, kurz: IPI) im Juni um über fünf Prozent gesunken und dies hat direkte Auswirkungen auf die Messung der Inflation. Im nächsten Monat bereits wird dieser Sondereffekt nicht mehr greifen und man wird dann sehen können, wie stark die Ausweitung der Kredite sich auf die Preissteigerung auswirken werden. (mas)